Im Juli 2024 erklärte die Tagesschau-Sprecherin in einem Instagram-Video, beim jährlichen Jugendwort-Ritual einen Schritt zurückzutreten. Was folgte, war kein Abschied.
Juli 2024. In einem kurzen Instagram-Video der Tagesschau sagt Susanne Daubner, sie wolle beim jährlichen Jugendwort-Format künftig anderen den Vortritt lassen. Kein langer Abschiedsbrief, keine Pressekonferenz. Nur dieser eine Satz. Und das Netz dreht durch.
Daubner präsentierte in dem Video noch die zehn nominierten Begriffe für 2024 und scherzte am Rande, ihr eigener Nachname klinge als Jugendwort eigentlich gar nicht schlecht. „Daubnern‘ für die Generation Z. Dann war das Video vorbei.
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Wer Daubner ist, bevor man versteht, warum das zählt
Am 26. März 1961 in Halle an der Saale geboren, begann Daubner ihre Karriere beim Rundfunk der DDR und dem Jugendsender DT64. 1989 verließ sie die DDR auf dem Landweg über Ungarn und Jugoslawien. Danach folgten Jahre beim Sender Freies Berlin und beim ORB. Am 5. Januar 1999 stand sie das erste Mal vor der Tagesschau-Kamera, in der 13-Uhr-Ausgabe. Die dpa notierte damals, sie sei die erste dunkelhaarige Sprecherin der Sendung.
Stationen
- Rundfunk der DDR& Jugendsender DT64, bis 1989
- Ausreise 1989 über Ungarn und Jugoslawien in den Westen
- Sender Freies Berlin (SFB) und Ostdeutscher Rundfunk Brandenburg (ORB)
- Seit 5. Januar 1999: Nachrichtensprecherin der Tagesschau, ARD
Über 26 Jahre in derselben Sendung. In dieser Zeit wurde Daubner zu dem, was man eine Institution nennt: verlässlich, präzise, nüchtern. Und dann kam 2021 und alles bekam eine zweite Ebene.
Wie aus der Nachrichtensprecherin eine Netzfigur wurde
Die Tagesschau-Redaktion ließ Daubner ab 2021 jedes Jahr das Jugendwort des Jahres auf Instagram verkünden. Das erste war „Cringe‘. Daubner sagte mit unveränderter Nachrichtensprecherstimme: „Cringe ist das Gefühl, das Sie haben, wenn ich den folgenden Satz sage: Digga, wie fly ist eigentlich die Tagesschau…‘ Der Clip wurde millionenfach geteilt. Der Witz funktioniert, weil er gar kein richtiger Witz ist. Kein Augenzwinkern, keine gebrochene vierte Wand. Dieselbe Haltung wie immer, dieselbe Stimme, nur andere Wörter.
Jugendwort-Chronik
2021
„Cringe‘
Das erste Jugendwort-Video. Geht viral. Das Format ist geboren.
2022
„Smash‘
Das Format etabliert sich auf den Tagesschau-Kanälen.
2023
„Goofy‘
Daubners Lachanfall im Morgenmagazin erschließt ihr ein neues, jüngeres Publikum.
Juli 2024
Rückzugsankündigung
Im Nominierungsvideo für 2024 erklärt Daubner, zukünftig anderen den Vortritt lassen zu wollen.
Oktober 2025
„Das crazy‘
Daubner präsentiert das Jugendwort des Jahres 2025. Der angekündigte Rückzug ist Geschichte.
Ende September 2023 kam ein weiterer Moment dazu, der nichts mit dem Format zu tun hatte: Daubner bekam im Morgenmagazin einen Lachanfall, live. Kein geplantes Segment, kein PR-Trick. Der Clip verbreitete sich innerhalb von Stunden. Ab da kannte auch die jüngere Generation, die keine Tagesschau schaut, ihren Namen.
Der Aufschrei nach dem Rückzugsvideo
Die Reaktionen auf Daubners Ankündigung im Juli 2024 kamen schnell und in Masse. Spotify Deutschland schrieb öffentlich, das Jugendwort ohne Queen Daubner hitta einfach nicht gleich. Fans baten sie in den Kommentaren zu bleiben.
„Daubnern darf nie enden.‘
Schauspieler Sebastian Klussmann, öffentlich auf Social Media
Auch der NDR äußerte sich gegenüber t-online: Daubner sei grundsätzlich bereit, Platz zu machen, aber die Reaktionen der Community würden noch ausgewertet und mit ihr besprochen. Das klang nicht nach Entscheidung, sondern nach offenem Ausgang.
Sie ist wieder da. Ohne große Erklärung.
Im Oktober 2025 erschien Daubner erneut auf den Tagesschau-Kanälen. Das Jugendwort des Jahres: „Das crazy‘. Laut dpa erklärte sie, der Ausdruck werde genutzt, um etwas als besonders krass oder kaum zu glauben zu beschreiben. Kein Kommentar zum Rückzugsvideo. Keine Erklärung. Einfach wieder da, wie immer.
Im März 2025, kurz vor dem Comeback, hatte Daubner in der NDR Talk Show erzählt, dass sie bei jeder 20-Uhr-Ausgabe einen blauen Kugelschreiber als Glücksbringer mit ins Studio nimmt. Nur den blauen. Einen schwarzen würde sie nie nehmen. Kurz darauf wurde bekannt, dass sie erstmals Großmutter wird.
Susanne Daubner hört auf, war die Schlagzeile des Sommers 2024. Was geblieben ist: eine Rückkehr, ein weiteres Jugendwort, und 26 Jahre Tagesschau, die weiterlaufen als hätte es das Video nie gegeben.

