Sonntag, 15, Februar, 2026

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Pedro Malvino: Brasilianischer Architekt Berlin | Portfolio

Pedro Malvino sitzt in einem Café in Berlin-Mitte. Vor ihm liegen Skizzen, neben ihm ein Laptop mit ArchDaily geöffnet. Der 24-jährige Brasilianer hat knapp 10.000 Kilometer hinter sich gebracht, um hier zu sein. Campos dos Goytacazes, seine Heimatstadt im Bundesstaat Rio de Janeiro, liegt weit weg. Doch Malvino will zurück nach Deutschland. Hier hat er eine Chance gesehen, die er in Brasilien vermisst hat.

Sieben Jahre Studium, ein Jahr Baustelle

Zwischen 2010 und 2017 studierte Malvino an der Universidade Estadual de Goiás Architektur. Sieben Jahre sind lang für ein Bachelorstudium. In Brasilien ist das allerdings nicht unüblich. Viele Studenten arbeiten nebenbei, um sich das Studium zu finanzieren. Malvino machte keine Ausnahme.

Nach dem Abschluss 2017 folgte der Einstieg ins Berufsleben. Jacafer Madeiras, ein Unternehmen für Holzverarbeitung und Bau, stellte ihn als Gerente de Obras ein. Auf Deutsch: Bauleiter. Von September 2017 bis Oktober 2018 koordinierte er Bauprojekte, bestellte Material, überwachte Handwerker. Ein harter Job, aber lehrreich.

Wer auf der Baustelle gearbeitet hat, kennt die Realität. Theorie aus dem Studium trifft auf Staub, Lärm und knappe Deadlines. Malvino lernte, wie man ein Budget einhält und mit Verzögerungen umgeht. Diese Erfahrung fehlt vielen Architekten, die direkt ins Büro wechseln.

Der Sprung nach Berlin

Ende 2018 beendete Malvino seine Anstellung bei Jacafer Madeiras. Die Gründe dafür sind nicht öffentlich bekannt. Was folgte, war der Umzug nach Deutschland. Berlin wurde sein neues Zuhause. Eine Stadt, die für ihre Architekturszene bekannt ist. Eine Stadt, die aber auch brutal sein kann für Freelancer ohne Netzwerk.

Malvino baute sich dennoch eine Präsenz auf. Sein LinkedIn-Profil zeigt ihn als freischaffenden Architekten in Berlin. Auf Behance präsentiert er sich als Architekt und Baumanager. Auf ArchDaily kuratiert er Projekte und zeigt eigene Arbeiten. Die Strategie ist klar: Sichtbarkeit schaffen, Kontakte knüpfen, Aufträge generieren.

Studium

Universidade Estadual de Goiás, 2010 bis 2017

Erste Position

Bauleiter bei Jacafer Madeiras, 2017 bis 2018

Aktuell

Freischaffender Architekt in Berlin

Sunshine – Das Lichtprojekt

„Sunshine – Raio de Sol“ heißt Malvinos bekanntestes Projekt. Der Titel ist zweisprachig: Englisch und Portugiesisch. Das passt zu jemandem, der zwischen Kulturen lebt. Das Konzept dreht sich um Tageslicht als Gestaltungselement. Wie fällt Licht in einen Raum? Wie verändert es die Atmosphäre? Wie kann man es lenken, ohne künstliche Quellen zu nutzen?

Malvino arbeitet mit offenen Strukturen. Wände werden zu Filtern statt zu Barrieren. Innen und Außen verschwimmen. Die Ästhetik ist minimalistisch, aber nicht kalt. Wer seine Entwürfe auf ArchDaily betrachtet, sieht die brasilianische Handschrift. Leichtigkeit trifft auf europäische Präzision.

Projektschwerpunkte

  • Natürliche Lichtführung ohne künstliche Verstärkung
  • Fließende Übergänge zwischen Innenraum und Außenbereich
  • Einsatz nachhaltiger Baumaterialien
  • Reduzierte Formensprache ohne Dekoration

Nachhaltigkeit ohne Marketing-Gerede

Auf ArchDaily pflegt Malvino einen Ordner mit dem Titel „Nachhaltige Projekten“. Die deutsche Schreibweise ist nicht ganz korrekt, aber der Inhalt zählt. Er sammelt dort Beispiele für ökologisches Bauen. Keine großen Worte, keine Versprechen. Nur Projekte, die zeigen, wie es gehen kann.

Nachhaltigkeit ist in der Architektur ein schwieriges Thema. Viele reden davon, wenige setzen es konsequent um. Malvino scheint den praktischen Ansatz zu bevorzugen. Welche Materialien schonen die Umwelt? Welche Bauweisen reduzieren den Energieverbrauch? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt.

Zwischen Rio und Berlin

Auf Instagram zeigt sich Malvino als Fluminense-Fan. Der Fußballclub aus Rio de Janeiro hat eine lange Tradition und eine treue Anhängerschaft. Für jemanden, der in Deutschland lebt, ist das ein Stück Heimat. Die Spiele laufen nachts wegen der Zeitverschiebung. Malvino schaut trotzdem.

Diese Verbindung zur Heimat ist typisch für Brasilianer im Ausland. Sie gehen, aber sie lassen nicht los. Die Familie, die Freunde, die Kultur – alles bleibt präsent. Malvino ist kein Auswanderer im klassischen Sinn. Er ist ein Pendler zwischen zwei Welten.

Freelancer in der Hauptstadt

Berlin hat über 4.000 registrierte Architekten. Der Wettbewerb ist hart. Wer sich durchsetzen will, braucht mehr als ein gutes Portfolio. Malvino nutzt soziale Medien und Fachplattformen, um auf sich aufmerksam zu machen. Ob das reicht, wird sich zeigen.

Freischaffende Architekten haben Freiheiten, aber auch Risiken. Kein festes Gehalt, keine geregelten Arbeitszeiten, keine Absicherung. Dafür die Möglichkeit, eigene Ideen umzusetzen. Malvino hat sich für diesen Weg entschieden. Mit 24 Jahren hat er noch Zeit, es zu versuchen.

Was kommt danach?

Die Profile auf LinkedIn, Behance und ArchDaily sind gepflegt. Die Projekte sind online. Die Grundlagen stimmen. Was Malvino jetzt braucht, sind Auftraggeber. Wer baut in Berlin und sucht einen Architekten mit brasilianischem Hintergrund? Wer will Licht und Nachhaltigkeit verbinden?

Die Fragen bleiben offen. Malvino hat den schwierigen Teil schon hinter sich: Er ist nach Deutschland gekommen, hat sich eingelebt, hat eine Arbeitserlaubnis. Der Rest ist Arbeit. Viel Arbeit. Aber für jemanden, der sieben Jahre studiert und ein Jahr auf der Baustelle verbracht hat, dürfte das nichts Neues sein.

Pedro Malvino bleibt vorerst in Berlin. Die Stadt gibt ihm, was Campos dos Goytacazes nicht bieten konnte. Ob das reicht für eine dauerhafte Karriere, entscheidet sich in den nächsten Jahren. Bis dahin zeichnet er weiter, plant weiter, hofft weiter.

Kathrin Biermann
Kathrin Biermannhttps://derteilnehmer.de/
Kathrin Biermann ist leitende Redakteurin und Mitgründerin von DerTeilnehmer. Seit mehr als acht Jahren berichtet sie über Themen aus Gesellschaft, Kultur, Technologie und internationaler Politik. Ihre journalistische Laufbahn führte sie durch verschiedene Redaktionen, bevor sie gemeinsam mit Ursula Waechter DerTeilnehmer gründete — mit dem Ziel, Nachrichten zu liefern, die informieren statt verwirren. Kathrin ist bekannt für ihre gründliche Quellenarbeit und ihren klaren, schnörkellosen Schreibstil. Abseits der Redaktion verbringt sie ihre Zeit am liebsten mit Reisen und der Suche nach Geschichten, die noch niemand erzählt hat.

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