Ein gewöhnlicher Dienstagnachmittag am Flughafen Palma de Mallorca verwandelte sich am 24. Juni 2025 in einen Schreckmoment. Kurz nach halb fünf krachte es laut im Ankunftsbereich. Die Decke über den Gepäckbändern gab nach, Glasscherben und Baumaterialien stürzten herab.
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Was ist passiert?
Baumaterialien von der Baustelle im Obergeschoss fielen auf eine Glasdecke. Das Gewicht war zu viel. Die Konstruktion brach zusammen und riss Teile der Zwischendecke mit sich. Alles landete im Gepäckabholbereich, wo gerade Hunderte Urlauber auf ihre Koffer warteten.
Die Szenen waren dramatisch. Eine dicke Staubwolke füllte den Bereich, Sichtweite ging gegen null. Reisende husteten, manche rutschten auf dem staubigen Boden aus. Trümmer zerschmetterten mehrere Getränke und Snackautomaten.
Die Fakten zum Vorfall:
- Zeitpunkt: 24. Juni 2025, etwa 16:30 Uhr
- Ort: Ankunftshalle, Nähe Gepäckbänder
- Ursache: Baumaterialien durchschlugen Glasdach
- Verletzte: Null
- Betroffener Bereich: Sofort abgesperrt
Flughafenmitarbeiter sprachen später von einem Wunder. Ein Kollege fragte sich: „Was wäre gewesen, wenn gerade jemand an den Automaten gestanden hätte?“
Die offizielle Erklärung
Eine Woche nach dem Einsturz lieferte die Flughafenbetreibergesellschaft AENA ihre Erklärung. Baudirektor Toni Rosselló und Flughafenchef Tomás Melgar traten vor die Presse.
Ihre Version: Ein Arbeiter eines beauftragten Subunternehmens handelte fahrlässig. Er entschied sich, mit einer Hebebühne durch eine Wandöffnung zu fahren, die dafür nicht gedacht war. Dabei stieß die Maschine zwei Reihen gestapelte Ziegelsteine um.
Rosselló betonte, der Mann habe „alle Verfahren umgangen und ohne Vorwarnung gehandelt“. Es gab einen alternativen, sicheren Weg. Der Arbeiter ignorierte ihn. Die Steine fielen, trafen das Glasdach, alles kam ins Rutschen.
Das betroffene Subunternehmen kassierte eine Strafe. AENA bezeichnete den Vorfall als „isoliert“ und versicherte, alle Sicherheitsmaßnahmen seien von Behörden genehmigt.
Kein Einzelfall
Die Decke am Palma Flughafen war nicht der erste Zwischenfall. Seit die Großbaustelle läuft, häufen sich Probleme. Gewerkschaften und Mitarbeiter warnen seit Monaten.
Miguel Sañudo von der Gewerkschaft USO stellte klar: „Das ist der Alltag.“ Beschwerden bei der Arbeitsinspektion brachten nichts. Keine Reaktion, keine Maßnahmen.
Weitere Vorfälle in 2025:
- Im Februar stürzten Deckenteile im Sicherheitsbereich ein
- Im Januar fielen Verkleidungsplatten herab, Staub gelangte ins Terminal
- Im Mai kam es bei Regen zu Überflutungen
- Im September kippte eine Mauer auf ein Baumodul
Susana Carballido von der CCOO Gewerkschaft brachte es auf den Punkt: „Früher redeten wir von Gefahren für Mitarbeiter. Jetzt sieht man, dass auch Passagiere gefährdet sind.“
Arbeiter berichten von herabfallenden Platten an Check-in-Schaltern, Asthmaanfällen durch Baustaub und gefährlichen Zuständen auf der Baustelle. Die Luft sei manchmal kaum zu atmen.
Scharfe Kritik aus Politik und Wirtschaft
Der Unternehmerverband CAEB und die Gewerkschaften zogen an einem Strang. Beide machten AENA verantwortlich. Carmen Planas, Chefin des CAEB, fand deutliche Worte.
Sie kritisierte die „mangelnde Planung und Kontrolle der Bauarbeiten“. Dann fügte sie hinzu: „Es ist untragbar, dass ausgerechnet in der Hauptreisezeit ein Urlaubsziel wie Mallorca eine solch heikle Situation durchmachen muss.“
Der Verband forderte ein dringendes Treffen mit der AENA-Direktion. Themen: Verantwortlichkeit, Baugeschwindigkeit und vor allem Sicherheit.
Die konservative Volkspartei PP schaltete sich ein. Abgeordneter José Vicente Marí nannte das Terminal ein „Schlachtfeld“ und eine „skandalöse Schande“. Er forderte eine Befragung im spanischen Unterhaus.
Balearenpräsidentin Marga Prohens legte nach. Sie bezeichnete AENAs Management als „desaströs“. Ihr Vorwurf: Der Flughafenbetreiber nutze Son Sant Joan „als Kasse, um die eigenen Taschen zu füllen“.
Auch Gabriel Escarrer, Chef der Hotelkette Meliá, meldete sich zu Wort. Er sprach vom „chaotischen und heruntergekommenen“ Image des Flughafens.
600 Millionen Euro Baustelle
Die Umbauarbeiten laufen seit Ende 2022. Geplant ist ein Investitionsvolumen von 550 bis 600 Millionen Euro. Das spanische Bauunternehmen Acciona erhielt den Hauptauftrag über 200 Millionen Euro mit einer Laufzeit von 39 Monaten.
Was wird gebaut:
- Komplette Modernisierung von Terminal Modul A
- Neue Sicherheitskontrolle mit 22 Bögen
- 44 Kontrollspuren für Passagiere
- Erweiterung der Ost und Westflügel
- Drei zusätzliche Fluggastbrücken in Modul D
- Solaranlagen für Klimaneutralität bis 2026
Fertigstellung ist für Winter 2026 geplant. Der Flughafen Son Sant Joan ist Spaniens drittgrößter Airport. 2024 nutzten ihn 33,3 Millionen Passagiere, ein Plus von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr. In der Hochsaison werden täglich bis zu 150.000 Reisende abgefertigt.
Die Bauarbeiten finden während des laufenden Betriebs statt. AENA betont regelmäßig, die Kapazität liegt bei 34 Millionen Passagieren jährlich.
Wie reagiert AENA?
Vizepräsident Javier Marín verteidigte das Unternehmen. Seine Worte: „Wir führen Arbeiten im Wert von fast 600 Millionen Euro am drittgrößten Flughafen Spaniens durch, ohne den Betrieb zu unterbrechen.“
Er entschuldigte sich für die Unannehmlichkeiten, lobte aber gleichzeitig das Management. Das Ziel sei ein „modernerer, effizienterer Flughafen, angepasst an die Bedürfnisse von Passagieren, Mitarbeitern und Fluggesellschaften“.
Die Kritiker sehen das anders. Sie fordern strengere Kontrollen, bessere Koordination und vor allem mehr Transparenz. Die nächsten Monate werden zeigen, ob AENA liefert.
Der Deckeneinsturz am Palma Flughafen ist mehr als ein Baustellenunfall. Er zeigt die Herausforderungen, wenn einer der meistfrequentierten Airports Europas während des Betriebs umgebaut wird. Sicherheit muss Priorität haben.

