Eine schwarze Augenklappe am G20-Gipfel, eine zurückhaltende Mimik, zwei Corona-Infektionen. Daraus machten Blogs und Social Media eine Krankheitsgeschichte, die mit der Realität wenig zu tun hat. Wie aus einem Sturz beim Joggen Gerüchte über schwere neurologische Leiden wurden.
Wer heute nach Olaf Scholz Krankheit sucht, findet hunderte Treffer. Viele davon spekulieren über einen Schlaganfall. Andere rätseln über chronische Leiden. Die Quellen sind oft fragwürdig, die Behauptungen haltlos. Was bleibt, wenn man die Fakten prüft?
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September 2023: Der Sturz in Potsdam
Am 2. September 2023 stürzte Olaf Scholz beim Joggen. Der damalige Bundeskanzler zog sich Prellungen und Abschürfungen im Gesicht zu, vor allem am rechten Auge. Regierungssprecher Steffen Hebestreit informierte die Presse am selben Tag.
Scholz trug eineinhalb Wochen lang eine schwarze Augenklappe. Er selbst postete ein Foto davon auf X mit ironischem Kommentar. Die Bilder gingen um die Welt, besonders jene vom G20-Gipfel in Indien, wo er mit Augenklappe neben anderen Staatschefs stand.
Der Unfall heilte folgenlos ab. Zurück blieb eine minimale Narbe. Scholz arbeitete während der gesamten Zeit weiter, ohne Einschränkungen. Trotzdem war der Grundstein gelegt für spätere Spekulationen.
Die Schlaganfall-Gerüchte
In Blogs und Foren tauchten Monate später Vermutungen auf: Scholz habe einen Schlaganfall erlitten. Als Beleg dienten seine ruhige Art, seine Mimik, seine Gestik. Manche interpretierten sein Auftreten als neurologisch auffällig.
Keine dieser Behauptungen lässt sich belegen. Weder das Bundespresseamt noch die Bundesregierung haben jemals einen Schlaganfall bestätigt. Keine seriöse Nachrichtenquelle berichtete darüber. Scholz absolvierte bis zu seinem Ausscheiden im Mai 2025 einen vollen Terminkalender ohne medizinische Pausen.
Fakt: Es existiert kein Beleg für einen Schlaganfall bei Olaf Scholz. Alle Gerüchte stammen aus unseriösen Quellen ohne journalistische Standards.
Die Vermutungen zeigen vor allem eines: Wie schnell sich Desinformation verbreitet, wenn öffentliche Personen anders wirken als erwartet. Scholz‘ stoische Art wurde zum vermeintlichen Symptom umgedeutet.
Corona-Infektionen: September 2022 und Dezember 2023
Scholz infizierte sich zweimal mit COVID-19. Die erste Infektion erfolgte im September 2022, gut ein Jahr vor dem Joggingunfall. Die zweite am 18. Dezember 2023, drei Monate nach dem Sturz.
Beide Infektionen verliefen mild. Scholz hatte sich boostern lassen und zeigte kaum Symptome. Er isolierte sich jeweils zuhause und arbeitete aus dem Homeoffice weiter. Nach wenigen Tagen kehrte er zurück ins Kanzleramt.
Die Infektionen waren dokumentiert, offiziell bestätigt und verliefen ohne Komplikationen. Anders als bei den Schlaganfall-Gerüchten gibt es hier klare, verifizierbare Informationen von Regierungssprechern und Nachrichtenagenturen.
Sportlich aktiv mit 67
Olaf Scholz, geboren am 14. Juni 1958, joggt zwei bis drei Mal pro Woche. Dazu kommen Rudern und Radfahren. Auch als Kanzler hielt er an seiner Sportroutine fest, was der Sturz in Potsdam belegt.
Gesundheitliche Chronologie
- September 2022: Erste COVID-19-Infektion, milder Verlauf
- 2. September 2023: Sturz beim Joggen in Potsdam
- September 2023: G20-Gipfel mit Augenklappe
- 18. Dezember 2023: Zweite COVID-Infektion, milder Verlauf
- 16. Dezember 2024: Vertrauensfrage verloren
- 23. Februar 2025: Bundestagswahl, CDU siegt
- 6. Mai 2025: Friedrich Merz wird Bundeskanzler
Chronische Erkrankungen sind nicht bekannt. Die einzigen dokumentierten gesundheitlichen Vorfälle waren der Sturz und die beiden Corona-Infektionen. Alle anderen Behauptungen entbehren jeder Grundlage.
Vom Kanzler zum Abgeordneten
Olaf Scholz war vom 8. Dezember 2021 bis zum 6. Mai 2025 Bundeskanzler. Nach der verlorenen Vertrauensfrage im Dezember 2024 fanden Neuwahlen statt. Die CDU mit Friedrich Merz gewann, Scholz schied aus dem Amt.
Heute sitzt er als Abgeordneter für den Wahlkreis Potsdam im Bundestag. Gesundheitliche Gründe spielten bei seinem Ausscheiden keine Rolle. Die politische Niederlage hatte andere Ursachen.
Warum die Gerüchte bleiben
Im Netz kursieren weiterhin Spekulationen über die Olaf Scholz Krankheit. Blogs mit SEO-optimierten Überschriften greifen das Thema auf, ohne zu recherchieren. Sie wiederholen unbelegte Behauptungen und vermischen sie mit echten Vorfällen wie dem Joggingunfall.
Leser können kaum unterscheiden zwischen seriösen Quellen und reiner Spekulation. Wer nach Gesundheit, Schlaganfall oder Krankheit in Verbindung mit Scholz sucht, findet beides: Fakten und Fiktion.
Die Vermischung hat System. Je dramatischer die Überschrift, desto mehr Klicks. Je vager die Quelle, desto weniger Verantwortung. Was fehlt, ist journalistische Sorgfalt.
Was bleibt
Ein 67-Jähriger, der regelmäßig joggt, ist gestürzt. Er hatte Corona, wie Millionen andere auch. Er wirkt zurückhaltend, was seinem Charakter entspricht. Daraus eine Krankengeschichte zu konstruieren, sagt mehr über den Zustand der Informationskultur als über Olaf Scholz.
Die Fakten liegen offen: Kein Schlaganfall, keine chronischen Leiden, keine neurologischen Probleme. Nur ein Sturz, zwei milde Infektionen und viele Spekulationen. Wer nach Olaf Scholz Krankheit sucht, findet am Ende vor allem eines: die Differenz zwischen Gerücht und Wirklichkeit.

