Februar 2025, irgendwo im australischen Busch. Lilly Becker sitzt mit Alessia Herren zusammen, die Kameras laufen, und sie redet. Nicht über Boris Becker, nicht über Scheidungen oder Gerichtssäle. Sie redet über eine Mutter aus Suriname, einen Autounfall im Jahr 1979, ein Waisenhaus in den Niederlanden — und über eine Frau namens Melissa Kerssenberg. Ihre Halbschwester. Ein Name, den bis dahin kaum jemand kannte.
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Wer ist Melissa Kerssenberg?
Melissa Kerssenberg ist die jüngere Halbschwester von Lilly Becker, geborene Sharlely Kerssenberg, geboren am 25. Juni 1976 in Rotterdam. Die beiden teilen dieselbe Mutter, haben aber verschiedene Väter. Melissa ist etwa zwei Jahre jünger als Lilly, ihr geschätztes Geburtsjahr liegt damit um 1978.
Lillys Vater war Schweizer. Wer Melissas Vater ist, wurde nie öffentlich bekannt — nicht durch Lilly, nicht durch die Familie, nirgendwo. Ihre gemeinsame Mutter stammte aus Suriname, einem kleinen Land an der Nordostküste Südamerikas, das durch seine koloniale Geschichte eng mit den Niederlanden verbunden ist. Ob die Mutter mit einem der beiden Väter fest zusammen war, ist nicht überliefert.
Was die Schwestern verbindet, ist keine gemeinsame Vatergeschichte. Es ist das, was 1979 passierte.
Der Unfall, das Waisenhaus, der Neuanfang
1979 starben beide Elternteile bei einem Autounfall. Lilly war damals drei Jahre alt. Melissa war kaum ein Jahr alt. Beide Mädchen kamen in ein Waisenhaus in den Niederlanden.
Was danach folgte, klingt nach einem Filmplot — ist aber dokumentiert durch Lillys eigene Schilderungen. Ihre Großmutter Esseline Kerssenberg-Bradley, Jahrgang 1928, hatte keine Absicht, ihre Enkelinnen im Waisenhaus zu lassen. Sie koordinierte mit einer Tante den richtigen Moment. Der Plan war denkbar einfach: warten, bis die Aufseherin in der Küche ist, dann handeln. Die Großmutter würde Lilly nehmen, die Tante würde Melissa nehmen. Treffpunkt: die Bushaltestelle vor dem Gebäude.
Lilly schilderte die Geschichte später in einem Instagram-Live. Die Oma habe zur Tante gesagt, heute sei der Tag — sie würden die zwei aus dem Waisenhaus holen. Es funktionierte.
Beide Mädchen wuchsen fortan bei Verwandten in Amsterdam auf. Lillys Onkel und Tante übernahmen die Erziehung, nachdem die Großmutter zunächst für sie gesorgt hatte. Lilly machte in Amsterdam ihr Abitur. Das niederländische Schulsystem, niederländische Straßen, eine surinamisch geprägte Familienkultur — das war ihre gemeinsame Welt.
Esseline: Die Frau, die alles zusammenhielt
Großmutter Esseline Kerssenberg-Bradley war für beide Schwestern keine Randfigur. Sie war der Anker. Lilly beschrieb sie öffentlich als eine der wichtigsten Menschen in ihrem Leben. Die Liebe einer Großmutter, sagte sie, sei etwas Besonderes — etwas, das sie nie vergessen werde.
Esseline Kerssenberg-Bradley starb 2018. Sie wurde 90 Jahre alt. Dass beide Mädchen nach dem Tod ihrer Eltern nicht im Waisenhaus blieben, ist direkt ihr Verdienst.
Was Lilly im Dschungelcamp sagte
Lilly Becker war jahrelang vor allem als Exfrau von Boris Becker in den deutschen Medien präsent. Die Scheidung, der Insolvenzprozess, die öffentlichen Auseinandersetzungen — das waren die Geschichten, die erzählt wurden. Ihre eigene Herkunft, ihre Kindheit, ihre Familie: kaum ein Thema.
Das Dschungelcamp 2025 änderte das. Am 3. Februar 2025 sprach Lilly mit Mitstreiterin Alessia Herren offen über ihre Vergangenheit. Sie erzählte vom Autounfall, von der Mutter aus Suriname, vom Waisenhaus. Und sie sagte klar: Ihre Schwester habe einen anderen Vater. Über ihren eigenen Vater sagte sie, sie kenne ihn nicht. Sie wisse seinen Namen nicht. Sie wisse gar nichts.
Es waren Sätze, die viele überraschten. Lilly Becker, die jahrelang durch Boulevard-Berichterstattung bekannt war, sprach plötzlich über Verlust und Herkunft — ruhig, direkt, ohne Drama. Und mittendrin: der Name Melissa Kerssenberg.
Die Beziehung zwischen den Schwestern
Was Lilly über Melissa öffentlich gesagt hat, ist wenig — aber eindeutig. In einem Gala-Interview beschrieb sie ihre Halbschwester als jemanden, mit dem sie ein Herz und eine Seele sei. Auf Lillys Instagram taucht Melissa gelegentlich auf: bei Familienfeiern, an Silvester, bei Geburtstagen. Immer dabei, nie im Vordergrund.
Zwei Frauen, die denselben Verlust erlebt haben, dieselbe Großmutter hatten, in derselben Stadt aufgewachsen sind. Die Nähe zwischen ihnen wirkt nicht wie eine pflichtbewusste Geschwisterbeziehung. Sie wirkt wie etwas, das durch gemeinsame Erfahrungen gewachsen ist, die die meisten Menschen sich nicht vorstellen können.
Melissa heute: Konsequent privat
Melissa Kerssenberg hat keine öffentlichen Social-Media-Profile. Sie hat nie Interviews gegeben, ist nie auf Veranstaltungen aufgetaucht, hat nie ein Statement abgegeben. Nicht als Lilly mit Boris Becker zusammen war, nicht während der Scheidung, nicht während des Dschungelcamps, als ihr Name plötzlich durch die deutschen Medien ging.
Bekannt ist, dass sie mindestens eine erwachsene Tochter hat. Über ihren Beruf, ihren genauen Wohnort oder ihre aktuelle Lebenssituation ist nichts öffentlich bekannt. Das ist seit Jahrzehnten so — und wirkt mit jeder verstrichenen Jahr weniger wie Zufall und mehr wie eine bewusste Haltung.
In einer Zeit, in der selbst entfernte Verwandte von Prominenten Instagram-Accounts aufbauen und Talkshow-Einladungen annehmen, ist Melissas Zurückhaltung bemerkenswert. Sie ist nicht verschwunden. Sie ist einfach nicht da, wo Kameras sind.
Der Name hinter der Geschichte
Wer nach Melissa Kerssenberg sucht, sucht meistens nach Lillys Geschichte. Nach dem, was im Dschungelcamp gesagt wurde, nach der Familie hinter der Berühmtheit. Melissa selbst hat diese Geschichte nie erzählt. Sie hat nie erklärt, wie es war, mit einem Jahr die Eltern zu verlieren. Nie beschrieben, was die Kindheit in Amsterdam bedeutet hat. Nie kommentiert, was es heißt, die Schwester einer der bekanntesten Frauen Deutschlands zu sein.
Vielleicht will sie das nie. Vielleicht ist das Schweigen für sie keine Last, sondern eine Grenze, die sie selbst gezogen hat — und die sie seit Jahrzehnten hält. Melissa Kerssenberg ist nicht die Frau, die gesucht wird. Sie ist die Frau, die gefunden wurde, obwohl sie nie gesucht werden wollte. Und genau das macht sie zur interessantesten Person in dieser Geschichte.

