Kai Pflaumes Sohn hat sich still und leise einen Namen gemacht. Während der Vater Millionen vor den Fernsehern unterhält, baut Marvin Pflaume in Berlin an der Zukunft des deutschen Einzelhandels. Ein Porträt über einen 27-Jährigen, der seinen eigenen Weg geht.
Berlin-Mitte, ein Büro in der Nähe des Potsdamer Platzes. Hier arbeitet Marvin Pflaume an Strategien für Technologie-Startups. Wer nach ihm sucht, findet keinen Instagram-Account mit Promi-Fotos, keine Homestorys, keine Interviews über das Leben als Promi-Kind. Stattdessen: LinkedIn-Posts über E-Commerce, Vorträge auf Handelskongressen, ein eigenes Startup.
Der Name Pflaume öffnet in Deutschland Türen. Kai Pflaume moderiert seit Jahrzehnten Shows wie ‚klein gegen groß‘ und ‚Wer weiß denn sowas?‘. Sein ältester Sohn hat sich anders entschieden. Studium in Kopenhagen statt Medienkarriere in Köln. Programmieren lernen statt vor die Kamera treten. Tech-Beratung statt Fernsehstudio.
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Der Werdegang: Copenhagen, Code, Consulting
Nach der Schule in München zog es Marvin Pflaume nach Skandinavien. An der Copenhagen Business School studierte er Management und Wirtschaft. Parallel absolvierte er ein Coding-Bootcamp bei Le Wagon, einem französischen Anbieter für Programmierausbildungen. Die Kombination aus Betriebswirtschaft und technischem Verständnis wurde später sein Kapital.
Den Einstieg ins Berufsleben fand er bei Project A Ventures. Die Berliner Firma gehört zu den größten Venture-Capital-Gesellschaften Europas und verwaltet 1,2 Milliarden Dollar. Hier lernte Marvin Pflaume, wie Startups funktionieren, wo sie scheitern und was sie zum Wachsen brauchen. Als Junior Tech Consultant begleitete er junge Unternehmen bei technischen Fragen.
Im Juli 2025 gründete sich aus Project A die Beratungsfirma A11 aus. Über 100 Berater wechselten in die neue Firma. Marvin Pflaume war einer von ihnen. Heute arbeitet er dort als Tech Consultant und berät Gründer bei der Skalierung ihrer Geschäftsmodelle.
Orderize: Als der Einzelhandel am Boden lag
2021 war kein gutes Jahr für Ladenbesitzer. Corona hatte die Innenstädte leergefegt. Geschäfte mussten schließen, Umsätze brachen ein. Amazon wuchs weiter. Genau in dieser Phase gründete Marvin Pflaume zusammen mit Paulina Pätzold das Startup Orderize.
Die Idee: Lokale Händler sollen ihre Waren online zeigen können, Kunden bestellen digital vor und holen die Produkte im Laden ab. Klingt simpel, war aber 2021 für viele kleine Geschäfte noch Neuland. Das Kölner Institut für Handelsforschung warnte damals, dass bis 2030 ein Drittel aller Läden in Deutschland verschwinden könnte.
Zahlen zum deutschen Einzelhandel:
- 61 Prozent der Käufer recherchieren online, bevor sie etwas kaufen
- 50 Prozent bevorzugen trotzdem den Einkauf im Geschäft
- Ein Drittel der Läden könnte laut Experten bis 2030 schließen
Orderize setzt genau hier an. Die Software funktioniert über QR-Codes. Kunden scannen, bestellen, zahlen online und kommen zur Abholung vorbei. Für Händler bedeutet das: Sie tauchen bei Google auf, erreichen jüngere Zielgruppen und behalten trotzdem den persönlichen Kontakt zu ihren Kunden.
Eingetragen ist Orderize als UG in Grünwald bei München mit 5.000 Euro Stammkapital. Beide Gründer führen das Unternehmen gemeinsam. 2022 waren drei Mitarbeiter angestellt. Wie viele es heute sind und ob Investoren eingestiegen sind, darüber schweigt sich das Startup aus.
Zwischen zwei Welten
Wer mit Marvin Pflaume über Handel spricht, hört keine Marketing-Phrasen. Auf dem Online Print Symposium 2024 sagte er: ‚Wir leben in einer Zeit, in der Technologie uns verbindet – aber Menschen bleiben das Zentrum.‘ Dieser Satz beschreibt seinen Ansatz gut. Technologie soll helfen, nicht verdrängen.
Bei den E-Commerce Days stellte er Orderize vor, ebenso im Podcast des Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Handel. Das Digital Zentrum Handel, eine staatlich geförderte Initiative, listete das Startup als Beispiel für gelungene Digitalisierung. Die Fachzeitschrift Beyond Print berichtete.
Parallel zu Orderize arbeitet Marvin Pflaume weiter in der Beratung. Diese Doppelrolle ist typisch für viele Gründer in der Anfangsphase. Auch seine Mitgründerin Paulina Pätzold hat einen zweiten Job bei LeanIX, einem Software-Unternehmen der SAP-Gruppe. Ob Orderize irgendwann zum Vollzeitprojekt wird, ist offen.
Familie Pflaume: Verschiedene Bühnen
Die Familie lebt in München. Kai Pflaume ist dort zu Hause, wenn er nicht gerade in Köln für die ARD dreht. Sein jüngerer Sohn Leon studiert Betriebswirtschaft in Amsterdam. Marvin selbst wohnt mittlerweile in Berlin. Drei Männer, drei Städte, drei verschiedene Wege.
Interviews über seinen Vater gibt Marvin Pflaume nicht. Auf Social Media hält er sich bedeckt. Seine Präsenz beschränkt sich auf berufliche Netzwerke wie LinkedIn. Dort postet er über Handelsthemen, Digitalisierung und Technologie. Privates bleibt privat.
Was bleibt
Marvin Pflaume ist 27 Jahre alt. Er hätte den einfachen Weg nehmen können. Ein bekannter Nachname, Kontakte in der Medienbranche, vielleicht eine Karriere als Moderator wie der Vater. Stattdessen sitzt er in Berlin-Mitte und programmiert an einer Software für Bäckereien und Modegeschäfte.
Ob Orderize sich durchsetzt, kann heute niemand sagen. Das Kölner Handelsforschungsinstitut hat seine Prognose nicht zurückgenommen. Ein Drittel der Läden wird verschwinden. Die Frage ist nur, welche. Vielleicht sind es jene, die keine Lösung wie Orderize nutzen. Vielleicht reicht auch das nicht.
Was aber schon heute klar ist: Marvin Pflaume hat sich einen Namen gemacht, der nichts mit seinem Nachnamen zu tun hat. In einer Branche, in der Buzzwords wie ‚Disruption‘ und ‚Innovation‘ inflationär benutzt werden, spricht er über Menschen und ihre Läden. In einer Welt, in der Amazon alles verkauft, kämpft er dafür, dass Kunden weiterhin zur Bäckerei um die Ecke gehen.
Kai Pflaumes Sohn unterhält niemanden im Fernsehen. Aber er könnte dazu beitragen, dass die Geschäfte, in denen wir einkaufen, auch in zehn Jahren noch da sind. Das ist vielleicht die wichtigere Bühne.

