Eine der bekanntesten Journalistinnen Deutschlands soll heimlich gegen Brustkrebs gekämpft haben. Hunderte Webseiten erzählen diese Geschichte. Nur gibt es ein Problem: Sie ist frei erfunden.
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Die erfundene Diagnose
Wer nach Marietta Slomka und Brustkrebs sucht, findet Dutzende Berichte. Die heute journal-Moderatorin habe 2018 die Diagnose erhalten, heißt es auf manchen Seiten. Andere sprechen von 2015. Wieder andere nennen 2020. Angeblich habe sie Chemotherapie durchlaufen, öffentlich über ihren Kampf gesprochen, Mut gemacht.
Alles Lüge.
Was die Fakten zeigen
Das ZDF hat nie eine Erkrankung seiner prominentesten Nachrichtensprecherin gemeldet. Die deutschen Leitmedien haben nie darüber berichtet. Weder Spiegel noch FAZ, weder Süddeutsche noch tagesschau.de erwähnen eine Krebserkrankung Slomkas.
Im Januar 2026 spricht die Journalistin in Interviews über 25 Jahre beim heute journal. Sie moderiert wie gewohnt. Von einer schweren Erkrankung keine Spur.
Die Recherche-Plattform PPEN.media stellte im Juli 2025 nach gründlicher Prüfung fest: Es existieren keine bestätigten Informationen über eine Brustkrebserkrankung von Marietta Slomka.
Die Spam-Maschine läuft
Die Websites, die diese Geschichte verbreiten, folgen einem Muster. Biolesen.de, erichartter.de, vcka.de, dutchbullion.de und Dutzende ähnliche Domains veröffentlichen nahezu identische Texte.
Was diese Seiten gemeinsam haben:
- Kein Impressum mit echten Verantwortlichen
- Keine Autoren genannt
- Keine Quellenangaben
- Identische Formulierungen über verschiedene Plattformen hinweg
- Widersprüchliche Jahreszahlen zur angeblichen Diagnose
Diese Seiten sind KI-generierte Content-Farmen. Sie nutzen prominente Namen und emotional aufgeladene Themen, um Klicks zu sammeln. Brustkrebs kombiniert mit einer bekannten Persönlichkeit erzeugt Aufmerksamkeit und Traffic.
Warum ausgerechnet Marietta Slomka?
Die ZDF-Moderatorin gehört zu den profiliertesten Gesichtern des deutschen Journalismus. Seit 2001 führt sie durch das heute journal. Ihre kritischen Interviews mit Politikern haben sie bundesweit bekannt gemacht. Genau diese Prominenz macht sie zur Zielscheibe für Desinformation.
Spam-Blogs greifen gezielt nach Namen mit hoher Reichweite. Die Texte werden automatisiert erstellt, auf Masse produziert, über verschiedene Domains gestreut. Suchmaschinen indexieren die Inhalte. Menschen finden sie, glauben sie, teilen sie weiter.
Wie man Fake-News erkennt
Seriöse Gesundheitsmeldungen über Prominente kommen aus verlässlichen Quellen. Das ZDF hätte eine Erkrankung seiner Aushänge-Moderatorin kommuniziert. Die großen Nachrichtenredaktionen hätten berichtet.
Warnsignale für erfundene Geschichten:
- Keine etablierten Medien berichten darüber
- Der Arbeitgeber schweigt
- Die betroffene Person äußert sich nicht
- Verschiedene Quellen widersprechen sich bei Grundfakten
- Websites wirken unprofessionell und haben kein echtes Impressum
Im Fall Marietta Slomka fehlt jede glaubwürdige Quelle. Stattdessen dominieren obskure Blogs ohne journalistische Standards.
Was bleibt
Marietta Slomka moderiert weiterhin das heute journal. Sie gibt Interviews, analysiert Politik, stellt unbequeme Fragen. Eine Krebserkrankung gehört nicht zu ihrer Biografie.
Die erfundene Geschichte zeigt, wie leicht sich Falschinformationen im Netz verbreiten. KI-Tools ermöglichen die massenhafte Produktion von täuschend echt wirkenden Texten. Prominente Namen werden missbraucht. Ernste Krankheiten wie Krebs zur Klickköder degradiert.
Wer nach Gesundheitsinformationen über öffentliche Personen sucht, braucht kritische Distanz. Die Frage muss lauten: Wer berichtet das? Nicht: Wie oft wird es berichtet? Hundert Fake-Blogs erzählen keine Wahrheit. Sie erzählen hundertmal dieselbe Lüge.

