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Jessica Van Dyke Todesursache 1987: Reye-Syndrom nach Aspirin

Am 30. März 1987 bekam die 13-jährige Jessica Van Dyke Windpocken. Ihre Mutter gab ihr vier Aspirin-Tabletten gegen das Fieber. Eine Woche später war das Mädchen tot. Die jessica van dyke todesursache war das Reye-Syndrom, eine Krankheit, von der die Familie Van Dyke bis dahin nur am Rande gehört hatte.

Jessica Lee Van Dyke war die Enkelin des Hollywood-Stars Dick Van Dyke. Sie lebte bei ihrer Mutter Caroline A. Heller und ihrem Stiefvater Roger D. Heller in University Heights, einem Vorort von Cleveland. An der Wiley Middle School galt sie als talentierte Schülerin. 1986 gewann sie den dritten Platz in einem landesweiten Schreibwettbewerb des Cricket Magazine. Sie sang im Chor, spielte Feldhockey und fotografierte gerne.

Die letzten Tage

Ende März 1987 steckten sich viele Kinder in ihrer Schule mit Windpocken an. Jessica blieb nicht verschont. Das Fieber stieg, also griff ihre Mutter zu einem Medikament, das in Millionen amerikanischen Haushalten im Schrank stand: Aspirin.

Wenige Tage später begann Jessica zu erbrechen. Sie wurde verwirrt, dann delirant. Die Ärzte im Rainbow Babies and Children’s Hospital in Cleveland diagnostizierten das Reye-Syndrom. Am 6. April 1987 um 17:40 Uhr starb Jessica. Sie wurde 13 Jahre alt.

Ausgerechnet in der Woche ihres Todes hätte Jessica die Hauptrolle in der Schulproduktion von „Bye Bye Birdie“ spielen sollen. Das Musical, das ihren Großvater 1963 zum Star machte.

Was die Familie nicht wusste

Die Hellers kannten den Begriff Reye-Syndrom. Aber sie wussten drei entscheidende Dinge nicht:

  • Die Krankheit kann auch Teenager treffen, nicht nur Kleinkinder
  • Windpocken gehören zu den Virusinfektionen, die das Syndrom auslösen können
  • Aspirin ist in 90 Prozent aller Fälle der Auslöser

Diese Wissenslücke kostete Jessica das Leben. Dabei hatte die US-Gesundheitsbehörde FDA bereits im Mai 1986 Warnhinweise auf Aspirin-Packungen vorgeschrieben. Nur elf Monate vor Jessicas Tod. Doch viele Familien und selbst Ärzte kannten die Zusammenhänge noch nicht.

Eine Krankheit mit tödlichem Verlauf

Das Reye-Syndrom greift Gehirn und Leber an. Es tritt typischerweise fünf bis sieben Tage nach viralen Infektionen auf, besonders nach Windpocken oder Grippe. Der australische Pathologe R. Douglas Reye beschrieb die Krankheit erstmals 1963.

Zahlen zur Krankheit:

  • 1979/1980: 555 registrierte Fälle in den USA, der Höchststand
  • Sterblichkeitsrate: 20 bis 40 Prozent
  • 1994: Weniger als zwei Fälle pro Jahr nach Einführung der Warnhinweise

Die Centers for Disease Control warnten bereits 1980 vor dem Zusammenhang zwischen Aspirin und Reye-Syndrom. 1982 gab der US-Gesundheitsminister eine offizielle Empfehlung heraus, Kindern bei Virusinfekten kein Aspirin zu geben. Trotzdem dauerte es weitere vier Jahre, bis Warnhinweise auf Packungen Pflicht wurden.

Vier Tage zu spät

Am 10. April 1987, vier Tage nach Jessicas Tod, veröffentlichte der Public Health Service eine große Studie. Das Ergebnis: Kinder, die während viraler Infekte Aspirin bekommen, haben ein 40-fach erhöhtes Risiko, am Reye-Syndrom zu erkranken. Die Zahlen waren eindeutig. Für Jessica kamen sie zu spät.

Hinweis: Kinderärzte empfehlen heute bei Fieber durch Virusinfekte Paracetamol oder Ibuprofen. Aspirin sollte Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren bei Windpocken, Grippe oder ähnlichen Erkrankungen nicht gegeben werden.

Dick Van Dykes Kampf

Der Schauspieler machte aus seinem Schmerz einen Auftrag. 1987 wurde Dick Van Dyke Ehrenvorsitzender der National Reye’s Syndrome Foundation. Er produzierte TV-Spots und Radio-Kampagnen. Er sprach in der Phil Donahue Show und in der Hour Magazine über den Tod seiner Enkelin. Er nahm an Benefiz-Golfturnieren teil.

Van Dyke nutzte seine Bekanntheit, um Eltern aufzuklären. Die Botschaft war einfach: Kein Aspirin bei Kindern mit Windpocken oder Grippe. Die Kampagne zeigte Wirkung. Immer mehr Eltern griffen zu alternativen Fiebermitteln. Die Fallzahlen des Reye-Syndroms sanken dramatisch.

Ein Leben, das andere rettete

Jessica Lee Van Dyke kam am 1. Januar 1974 als erstes Baby im Memorial Hospital in Phoenix, Arizona zur Welt. Ihr Vater war Christian Van Dyke, Sohn des Entertainers. 13 Jahre später starb sie an einer Krankheit, die durch bessere Aufklärung hätte verhindert werden können.

Ihr Tod bewegte ihren Großvater dazu, Tausenden anderen Kindern das Leben zu retten. Die jessica van dyke todesursache wurde zum Wendepunkt in der öffentlichen Wahrnehmung des Reye-Syndroms. Was als private Tragödie begann, verhinderte unzählige weitere Todesfälle. Jessicas Name steht heute für eine der erfolgreichsten medizinischen Aufklärungskampagnen der 1980er Jahre.

Kathrin Biermann
Kathrin Biermannhttps://derteilnehmer.de/
Kathrin Biermann ist leitende Redakteurin und Mitgründerin von DerTeilnehmer. Seit mehr als acht Jahren berichtet sie über Themen aus Gesellschaft, Kultur, Technologie und internationaler Politik. Ihre journalistische Laufbahn führte sie durch verschiedene Redaktionen, bevor sie gemeinsam mit Ursula Waechter DerTeilnehmer gründete — mit dem Ziel, Nachrichten zu liefern, die informieren statt verwirren. Kathrin ist bekannt für ihre gründliche Quellenarbeit und ihren klaren, schnörkellosen Schreibstil. Abseits der Redaktion verbringt sie ihre Zeit am liebsten mit Reisen und der Suche nach Geschichten, die noch niemand erzählt hat.

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