Sonntag, 15, Februar, 2026

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Ingrid Landmark Tandrevold: Herz-OP wegen Herzrhythmusstörung – Comeback in Oberhof 2025

Kurz vor Weihnachten 2024 lag Ingrid Landmark Tandrevold auf dem Operationstisch, während ihre Konkurrentinnen in Le Grand-Bornand um Weltcup-Punkte kämpften. Die 29-jährige Norwegerin musste sich einem minimalinvasiven Eingriff am Herzen unterziehen. Ein dünner Katheter wurde durch ihre Blutgefäße direkt zum Herzen geführt, um eine Herzrhythmusstörung zu behandeln, die ihre Karriere bedrohte.

AVNRT macht der Sprint-Weltcupsiegerin zu schaffen

Die Diagnose lautete AVNRT, eine atrioventrikuläre nodale Reentrytachykardie. Bei dieser Form der Herzrhythmusstörung können plötzliche Herzrasen-Attacken auftreten, die für Hochleistungssportler besonders gefährlich werden. Am 18. Dezember 2024 wurde die Katheterablation durchgeführt. Dabei verödeten Ärzte die betroffenen Herzmuskelzellen, die für die Rhythmusstörung verantwortlich waren.

Tandrevold verpasste deshalb die Weltcup-Rennen in Kontiolahti, Hochfilzen und Le Grand-Bornand. Für die Sprintweltcupsiegerin der Vorsaison ein bitterer Rückschlag. Ihre Ziele für den Gesamtweltcup musste sie begraben, bevor die Saison richtig begonnen hatte.

Tränen in Oberhof nach emotionaler Rückkehr

Drei Wochen nach der Operation stand Tandrevold Anfang Januar 2025 wieder auf der Weltcup-Piste. In Oberhof gab sie ihr Comeback unter denkbar schwierigen Bedingungen. Das norwegische Team trauerte um Sivert Guttorm Bakken, der kurz zuvor verstorben war. Eine Schweigeminute vor dem Rennen, das Team in Trauer, Tandrevold selbst noch geschwächt von der Operation.

Ihr erster Sprint endete mit drei Fehlern im Stehendanschlag und Platz 58. In der Mixed Zone nach dem Rennen brach sie in Tränen aus. Ihre französische Freundin Julia Simon nahm sie in den Arm. Simon sagte später zu NRK: „Ich habe ihr nichts gesagt, nur dass es normal ist zu weinen. Es ist schwierig für das norwegische Team und für alle, die ihn gut kannten.“

Zwei Tage später lief es besser. Im zweiten Sprint erreichte Tandrevold Platz 15, genauso wie in der Verfolgung. In der Mixed-Staffel an der Seite von Sturla Laegreid, Tarjei Boe und Maren Kirkeeide holte sie Bronze.

Von Ruhpolding direkt ins Höhentrainingslager

Nach den Rennen in Oberhof verzichtete Tandrevold auf die Weltcup-Station in Ruhpolding Mitte Januar. Sie reiste stattdessen direkt ins Höhentrainingslager nach Antholz. Der norwegische Teammanager Per Arne Botnan erklärte: „Ingrid hat solide Rennen in Oberhof absolviert und ist mit einem guten Gefühl abgereist. Es ist wichtig vorausschauend zu planen, deshalb fährt sie direkt in die Höhe nach Antholz und wird in einer Woche für neue Wettkämpfe zum Team zurückkehren.“

Die Entscheidung hatte mehrere Gründe. Tandrevold hatte während ihrer Genesung kein Höhentraining absolvieren können. Antholz liegt auf über 1600 Metern Höhe, genau wie der Austragungsort der Weltmeisterschaften in Lenzerheide. Dort kann sie ihren Körper an die Bedingungen gewöhnen, bei denen sie in der Vergangenheit Schwierigkeiten hatte.

In Ruhpolding wurde sie als krank gemeldet. Shooting-Coach Patrick Oberegger sagte zu NRK: „Sie fühlt sich nicht hundertprozentig, deshalb wollen wir kein Risiko eingehen.“ Tandrevold fehlte bei der Staffel und beim Sprint.

Ende Januar kehrte sie in Antholz zum Weltcup zurück, wo ein Zwischenfall passierte. Während des Sprints fiel ihr beim letzten Schießen das Gewehr aus der Halterung. Die IBU sprach eine Verwarnung aus.

Zehn Weltmeisterschaftsmedaillen in sechs Jahren

Tandrevold wurde am 23. September 1996 in Bærum geboren und läuft für Fossum IF. Ihre Mutter Bente Landmark führte sie zum Sport. Im Juniorenbereich holte sie erste Medaillen bei Europameisterschaften, bevor sie 2018 in PyeongChang ihr olympisches Debüt gab. 2022 folgte die Teilnahme in Peking.

Ihre stärksten Auftritte zeigte sie bei Weltmeisterschaften. Zwischen 2019 und 2024 sammelte sie zehn Medaillen: viermal Gold, viermal Silber, zweimal Bronze. Dreimal wurde sie Weltmeisterin mit der norwegischen Frauenstaffel.

Die Saison 2023/24 wurde ihre bisher erfolgreichste. Sie gewann den Sprintweltcup und sicherte sich mehrere Einzelsiege. Ihre Kombination aus präzisem Schießen und starker Laufleistung machte sie zu einer der gefährlichsten Konkurrentinnen.

Verlobt mit französischem Konkurrenten

Privat ist Tandrevold mit dem französischen Biathleten Antonin Guigonnat verlobt. Die Verlobung wurde 2022 bekannt. Im Juni 2024 feierte sie ihren Junggesellinnenabschied. Eine Beziehung zwischen Norwegern und Franzosen im Biathlon ist ungewöhnlich, da beide Nationen zu den stärksten der Welt gehören und traditionell Rivalen sind.

Über 200 Weltcup-Starts für Norwegen

Tandrevold hat mittlerweile mehr als 200 Weltcup-Rennen absolviert. Diese Erfahrung macht sie zu einer wichtigen Stütze des norwegischen Teams, besonders bei Staffelrennen. Ihre Vielseitigkeit zeigt sich darin, dass sie sowohl im Sprint als auch in Massenstart und Verfolgung erfolgreich ist.

Aktuell kämpft sie darum, nach der Herzoperation wieder zu alter Form zu finden. Die Statistiken der laufenden Saison 2024/25 spiegeln den Rückstand wider: 85 Prozent Trefferquote liegend, 65 Prozent stehend, im Durchschnitt 3,8 Sekunden pro Kilometer Rückstand auf die Schnellste.

Fokus liegt jetzt auf den kommenden Wochen

Die Weltmeisterschaften in Lenzerheide rücken näher. Ob Tandrevold dort wieder zu den Medaillenkandidatinnen gehört, wird sich zeigen. Nach ihrer Operation benötigt sie Zeit, um die gewohnte Leistungsfähigkeit zurückzugewinnen.

Für die Olympischen Spiele 2026 in Cortina d’Ampezzo laufen bereits die Vorbereitungen. Das Höhentrainingslager in Antholz dient auch dazu, den Grundstein für die olympische Saison zu legen. Tandrevold will dort im norwegischen Team um Medaillen kämpfen.

Die Herzoperation war ein Einschnitt in ihrer Karriere. Doch die Norwegerin hat bereits gezeigt, dass sie mit Rückschlägen umgehen kann. Ihre zehn Weltmeisterschaftsmedaillen sprechen für ihre Klasse. Nach dem erfolgreichen Eingriff und ihrer Rückkehr konzentriert sich Ingrid Landmark Tandrevold nun darauf, in den kommenden Wochen wieder konstante Leistungen zu zeigen.

Kathrin Biermann
Kathrin Biermannhttps://derteilnehmer.de/
Kathrin Biermann ist leitende Redakteurin und Mitgründerin von DerTeilnehmer. Seit mehr als acht Jahren berichtet sie über Themen aus Gesellschaft, Kultur, Technologie und internationaler Politik. Ihre journalistische Laufbahn führte sie durch verschiedene Redaktionen, bevor sie gemeinsam mit Ursula Waechter DerTeilnehmer gründete — mit dem Ziel, Nachrichten zu liefern, die informieren statt verwirren. Kathrin ist bekannt für ihre gründliche Quellenarbeit und ihren klaren, schnörkellosen Schreibstil. Abseits der Redaktion verbringt sie ihre Zeit am liebsten mit Reisen und der Suche nach Geschichten, die noch niemand erzählt hat.

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