Sonntag, 15, Februar, 2026

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Gina Hanauer Fall Fabian: Mordverdacht, Zeugen & Ermittlung

Zwei Männer sagen aus, Gina Hanauer habe sie nachts zu einem Tümpel gebracht. Dort lag der tote Fabian. Tage später meldet dieselbe Frau den Fund bei der Polizei und behauptet, die Leiche zufällig entdeckt zu haben. Jetzt sitzt die 29-Jährige in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft ist sich sicher: Sie hat den Achtjährigen ermordet.

10. Oktober 2024: Ein Kind verschwindet

Dorina arbeitet bis zum Abend. Ihr Sohn Fabian ist allein in der Wohnung in Güstrow. Als die Mutter nach Hause kommt, ist der Achtjährige weg. Kein Abschiedsbrief, kein Hinweis. Einfach verschwunden.

Die Polizei startet eine Großfahndung. Hubschrauber kreisen über der Stadt, Hundertschaften durchkämmen die Umgebung. Doch von Fabian fehlt jede Spur.

14. Oktober: Der grausame Fund

Vier Tage später erreicht die Einsatzzentrale ein Anruf. Eine Frau meldet einen Leichenfund. An einem abgelegenen Tümpel bei Klein Upahl, 15 Kilometer von Güstrow entfernt, liegt ein toter Junge.

Die Beamten rücken aus. Der Körper zeigt Brandspuren. Jemand hat versucht, Beweise zu vernichten. Die Identifizierung bestätigt den Verdacht: Es ist Fabian. Die Rechtsmedizin geht davon aus, dass er am Tag seines Verschwindens starb.

Die Anruferin: Gina Hanauer. Sie gibt an, den Jungen bei einem Spaziergang mit einer Freundin gefunden zu haben. Purer Zufall.

Wer ist Gina Hanauer?

Die 29-Jährige lebt in der Nähe von Güstrow. Sie reitet seit Jahren, nimmt an Springturnieren teil, postet Bilder von Pferden auf Social Media. Eine Mutter, die ihren siebenjährigen Sohn großzieht.

Bis vor wenigen Wochen war sie mit Fabians Vater zusammen. Die Beziehung ging in die Brüche. Ihr eigener Vater starb kurz davor. Zwei Verluste in kurzer Zeit.

Nach außen wirkt alles normal. Doch die Ermittler beginnen, Fragen zu stellen.

Die Aussagen, die alles ändern

Wochen vergehen. Dann melden sich zwei Männer bei der Polizei. Unabhängig voneinander. Beide erzählen die gleiche Geschichte.

Gina H. habe sie zum Tümpel gefahren. Nachts. Vor dem 14. Oktober. Dort habe sie auf einen Körper im Wasser gedeutet. Einer der Männer sollte mit der Taschenlampe ins Gesicht des toten Kindes leuchten. Gina H. bestätigte: Das ist Fabian.

Die Chronologie stimmt nicht mehr. Wer eine Leiche bereits kennt, kann sie nicht Tage später zufällig finden.

Am 6. November 2024 klingelt es bei Gina Hanauer. Die Polizei nimmt sie fest. Der Vorwurf: Mord.

Dringender Tatverdacht

Ein Richter ordnet Untersuchungshaft an. Seitdem sitzt Gina H. in einer Justizvollzugsanstalt. Sie schweigt. Kein Wort zu den Vorwürfen, keine Stellungnahme.

Ihr Verteidiger Andreas Ohm stellt mehrfach Haftprüfungsanträge. Alle werden abgelehnt. Der Tatverdacht wiegt zu schwer.

Die Polizei durchsucht ihr Haus, beschlagnahmt ihren orangefarbenen Pick-up. Kriminaltechniker untersuchen das Fahrzeug tagelang. Spuren werden gesichert. Welche, teilt die Staatsanwaltschaft nicht mit.

1.000 Spuren, eine Lücke

Oberstaatsanwalt Harald Nowack und sein Team arbeiten fast 1.000 Hinweise ab. Zeugen werden befragt, Beweise ausgewertet, Gutachten erstellt. Die Ermittler wissen, wie Fabian starb. Sie wissen, dass eine Tatwaffe benutzt wurde.

Aber sie haben sie nicht gefunden.

Mehrere Durchsuchungen bringen nichts. Die Waffe bleibt verschwunden. Ein Problem für die Anklage, aber kein unlösbares. Indizienbeweise können reichen.

Nowack rechnet mit einem Abschluss der Ermittlungen im Februar 2026. Ursprünglich hieß es März. Die Spurenlage verdichtet sich schneller als gedacht.

Keine weiteren Täter

Fabians Familie zweifelt. Claudia Kauer, die Cousine von Fabians Mutter, kann sich nicht vorstellen, dass eine Person allein so etwas tut. Die Gewalt, die dem Jungen angetan wurde, sei zu massiv.

Die Staatsanwaltschaft widerspricht. Es gebe nur eine Beschuldigte. Keine Hinweise auf Mittäter. Gina H. habe allein gehandelt.

Das Schweigen der Verdächtigen

Vor ihrer Festnahme sprach Gina Hanauer mit dem Nordkurier. Sie bestritt jede Beteiligung. Das Interview erschien, bevor die Polizei vor ihrer Tür stand.

Seitdem: Schweigen. Keine Vernehmungen, keine Aussagen. Ihr Anwalt Ohm sagt nur: „Meine Mandantin geht davon aus, auf freien Fuß zu kommen.“

Die Haftbedingungen seien hart. Aber Details zu ihrer Verfassung gibt er nicht preis.

Februar 2026: Die Entscheidung naht

In wenigen Wochen will die Staatsanwaltschaft entscheiden. Reichen die Beweise für eine Mordanklage? Die Zeugenaussagen sind eindeutig. Die Spurenlage belastend. Die Widersprüche erdrückend.

Gina Hanauer bleibt in Haft. Sie schweigt weiter. Doch bald wird sie sich vor Gericht verantworten müssen. Dann wird eine Jury entscheiden, ob die Reitsportlerin aus Güstrow wirklich zur Mörderin wurde. Oder ob die Staatsanwaltschaft die falsche Frau hinter Gitter gebracht hat.

Kathrin Biermann
Kathrin Biermannhttps://derteilnehmer.de/
Kathrin Biermann ist leitende Redakteurin und Mitgründerin von DerTeilnehmer. Seit mehr als acht Jahren berichtet sie über Themen aus Gesellschaft, Kultur, Technologie und internationaler Politik. Ihre journalistische Laufbahn führte sie durch verschiedene Redaktionen, bevor sie gemeinsam mit Ursula Waechter DerTeilnehmer gründete — mit dem Ziel, Nachrichten zu liefern, die informieren statt verwirren. Kathrin ist bekannt für ihre gründliche Quellenarbeit und ihren klaren, schnörkellosen Schreibstil. Abseits der Redaktion verbringt sie ihre Zeit am liebsten mit Reisen und der Suche nach Geschichten, die noch niemand erzählt hat.

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