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Detlev von Platen: Porsche-Karriere, Taycan und China-Krise

Er baute Porsches Nordamerikageschäft aus, verantwortete die Markteinführung des Taycan und investierte Milliarden in die Elektrostrategie. Im Februar 2025 war seine Zeit dennoch abgelaufen.

Am 26. Februar 2025 verließ Detlev von Platen die Porsche AG. Kein Skandal, keine öffentliche Auseinandersetzung. Nur eine knappe Pressemitteilung: einvernehmliche Trennung, sofortige Wirkung, Nachfolger bereits benannt. Für einen Mann, der fast drei Jahrzehnte bei Porsche gearbeitet hatte, war das ein auffallend ruhiger Abgang.

28 Jahre bei Porsche

6,8 Mrd. Euro in E-Mobilität

~30% Kursrückgang seit IPO 2022

Von Orléans nach Zuffenhausen

Von Platen wurde am 25. Januar 1964 in Orléans als Kind deutscher Eltern geboren. Er wuchs in Frankreich auf, machte dort sein Abitur und studierte Betriebswirtschaft an den Universitäten Tours und Poitiers, wo er 1987 seinen MBA abschloss.

Den Berufseinstieg fand er 1988 bei BMW France im Marketing der Motorradsparte. 1991 wechselte er zur BMW AG nach München, wo er verschiedene Führungspositionen in Vertrieb und Marketing übernahm, darunter für BMW Motorrad, BMW Motorsport und das Zentralmarketing der Marke.

1997 kam der Wechsel zu Porsche. Von Platen übernahm zunächst die Markenführung in Frankreich, ab 1999 als Präsident und CEO von Porsche France.

1988

Einstieg bei BMW France, Motorrad-Marketing

1991

BMW AG München, Vertrieb und Marketing

1997

Wechsel zu Porsche, Markenführung Frankreich

1999

Präsident und CEO, Porsche France

2008

Präsident und CEO, Porsche Cars North America, Atlanta

Nov. 2015

Mitglied des Vorstands der Porsche AG, Vertrieb und Marketing

Feb. 2025

Einvernehmlicher Abgang, Nachfolge: Matthias Becker

Amerika als erster großer Test

2008 übernahm von Platen die Führung von Porsche Cars North America. Er verantwortete Import und Vertrieb über ein Netz von rund 200 US-Händlern. Sieben Jahre später, im Mai 2015, eröffnete er kurz vor seinem Wechsel in den Konzernvorstand „One Porsche Drive“ am Hartsfield-Jackson Atlanta International Airport.

Auf 10,2 Hektar entstanden Nordamerika-Zentrale und Porsche Experience Center unter einem Dach. Die Investitionssumme: 100 Millionen US-Dollar, bis dahin die größte Auslandsinvestition des Unternehmens an einem einzelnen Standort. Es war ein klares Signal, wie ernst Porsche den amerikanischen Markt nahm.

Der Vorstand und die Elektrowette

Ab November 2015 saß von Platen im Vorstand der Porsche AG. Zuständig für Vertrieb und Marketing, verlängerte der Aufsichtsrat sein Mandat im Dezember 2017 um weitere fünf Jahre. Zu diesem Zeitpunkt lief das Geschäft gut. Die eigentliche Bewährungsprobe stand noch bevor.

Seine folgenreichste Aufgabe war die Markteinführung des Taycan. Porsches erstes rein elektrisches Serienfahrzeug kam 2019 auf den Markt und war von Beginn an mehr als ein neues Modell. Es war der Beweis, dass Porsche die Elektromobilität als Kernkompetenz verstanden hatte und nicht nur als Pflichtübung.

„Über die Hälfte der Taycan-Erstkäufer waren bestehende Porsche-Kunden. Der Rest hatte noch nie zuvor einen Porsche besessen.Porsche Newsroom, Taycan Markteinführung

Technisch setzte der Taycan mit seiner 800-Volt-Architektur Maßstäbe: Laden von 5 auf 80 Prozent in 22,5 Minuten, schneller als die meisten Konkurrenten. Parallel dazu gründete Porsche das Joint Venture Cellforce mit CUSTOMCELLS zur Entwicklung von Hochleistungsbatteriezellen, beteiligte sich am kroatischen Elektrofahrzeug-Spezialisten Rimac und trieb gemeinsam mit anderen Herstellern den Aufbau des IONITY-Schnellladenetzes voran.

Elektrostrategie unter von Platen

  • Taycan, Porsches erstes rein elektrisches Serienfahrzeug, Markteinführung 2019
  • Elektrischer Macan der zweiten Generation
  • Rund 6,8 Milliarden Euro Gesamtinvestition in Elektromobilität
  • Cellforce-Joint-Venture mit CUSTOMCELLS für Hochleistungsbatterien
  • Beteiligung an Rimac Automobili
  • Mitgründung des IONITY-Schnellladenetzes

China und der Punkt, an dem es schwierig wurde

Lange war China Porsches stärkste Region weltweit. Dann drehte sich der Markt grundlegend. Lokale Hersteller wie BYD und Nio bauten technisch ausgereifte Elektrofahrzeuge zu Preisen, mit denen europäische Premiumhersteller strukturell nicht mithalten konnten.

Von Platen sprach das öffentlich an: Die Innovationsgeschwindigkeit und Produktvielfalt chinesischer Hersteller seien außergewöhnlich, viele Fahrzeuge passten sehr präzise zu den Anforderungen chinesischer Kunden. Eine wirksame Gegenantwort fand Porsche unter seiner Ägide nicht mehr rechtzeitig.

Warum er gehen musste

Als Porsche im Oktober 2022 an die Frankfurter Börse ging, waren die Erwartungen hoch. In den folgenden zwei Jahren fiel der Kurs um rund 30 Prozent. Die Absatzzahlen in China blieben hinter den Prognosen, der Gesamtumsatz enttäuschte. Der Druck auf die Führungsebene wuchs spürbar.

Im Februar 2025 verließen mit von Platen und CFO Lutz Meschke gleich zwei Vorstandsmitglieder gleichzeitig das Unternehmen. Beide einvernehmlich, beide ohne öffentliches Nachtreten. Dr. Wolfgang Porsche würdigte von Platens Arbeit ausdrücklich: Sein Engagement habe Porsche über viele Jahre geprägt, insbesondere der Aufbau globaler Märkte sowie die Einführung von Taycan und dem elektrischen Macan seien besondere Leistungen gewesen.

Matthias Becker, der zuvor im Kernmarkengeschäft von BMW verantwortlich war, übernahm die Position. Sein Auftrag: Porsche im globalen Elektrowettbewerb neu positionieren, ohne den Markenkern zu beschädigen.

Was bleibt

Detlev von Platen war kein Vorstand, der durch laute öffentliche Auftritte auffiel. Er war jemand, der Märkte aufbaute, Infrastruktur schuf und langfristig dachte. Das Nordamerikageschäft, der Taycan, die 800-Volt-Ladetechnik, das IONITY-Netz: nichts davon entstand zufällig.

Dass er am Ende unter dem Druck eines enttäuschten Kapitalmarkts gehen musste, ist eine andere Geschichte. Porsches elektrisches Portfolio, seine globale Händlerstruktur und die Markenarchitektur, die von Platen über fast drei Jahrzehnte mitgeformt hat, werden noch lange sichtbar bleiben. Ob das reicht, um im Wettbewerb mit chinesischen Herstellern zu bestehen, liegt jetzt bei anderen.

Kathrin Biermann
Kathrin Biermannhttps://derteilnehmer.de/
Kathrin Biermann ist leitende Redakteurin und Mitgründerin von DerTeilnehmer. Seit mehr als acht Jahren berichtet sie über Themen aus Gesellschaft, Kultur, Technologie und internationaler Politik. Ihre journalistische Laufbahn führte sie durch verschiedene Redaktionen, bevor sie gemeinsam mit Ursula Waechter DerTeilnehmer gründete — mit dem Ziel, Nachrichten zu liefern, die informieren statt verwirren. Kathrin ist bekannt für ihre gründliche Quellenarbeit und ihren klaren, schnörkellosen Schreibstil. Abseits der Redaktion verbringt sie ihre Zeit am liebsten mit Reisen und der Suche nach Geschichten, die noch niemand erzählt hat.

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