Wenn Bianca Berding bei „Bares für Rares“ eine Jugendstil-Vase in die Hand nimmt, sprechen mehr als zehn Jahre Forschungsarbeit aus ihrer Einschätzung. Die 49-jährige Kunsthistorikerin hat ihren Weg vom akademischen Schreibtisch ins deutsche Fernsehen gefunden und dabei nie ihre wissenschaftliche Präzision verloren.
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Die akademischen Jahre
Berding, geboren am 30. November 1976 in Köln, wählte früh ihren Weg. Das Studium der Kunstgeschichte führte sie nach Berlin, wo die Berliner Nachwuchsförderung ihre Arbeit mit einem Stipendium unterstützte. An der Freien Universität Berlin vertiefte sie sich in eine Epoche, die bis heute ihr Markenzeichen bleiben sollte: den Kunsthandel der Jahrhundertwende.
Ihre Dissertation von 2012 trägt den sperrigen Titel „Der Kunsthandel in Berlin für moderne angewandte Kunst von 1897 bis 1914“. Dahinter verbirgt sich eine detaillierte Analyse des Berliner Kunstmarktes in der Zeit des Jugendstils. Die Arbeit entstand, während sie bereits verheiratet war und eine Tochter hatte.
Zwischen Messestand und Redaktion
Nach der Promotion kehrte Berding nach Köln zurück. Mehrere Jahre lang arbeitete sie als Beraterin und Kunstführerin auf der Art Cologne und der Cologne Fine Art & Antiques. Hier hatte sie direkten Kontakt mit Sammlern, Händlern und Kunstobjekten aller Art.
Der Sprung ins Fernsehen kam schrittweise. Berding wechselte zur Redaktion von „Bares für Rares“ und arbeitete zwei Jahre hinter den Kulissen. Sie kannte die Abläufe der Sendung genau, bevor sie Ende Dezember 2019 selbst vor die Kamera trat.
Expertise vor der Kamera
Seitdem gehört Berding zum Expertenteam der ZDF-Erfolgsshow. Ihr Spezialgebiet sind Objekte aus Jugendstil und Art Déco:
- Gläser von Émile Gallé und Daum Frères
- Porzellan der Wiener Werkstätte
- Schmuckstücke mit floralen Motiven
- Silberarbeiten aus der Reformzeit
- Gemälde und Grafiken der Sezessionisten
Bei der Bewertung kombiniert sie kunsthistorisches Wissen mit Marktkenntnissen. Ein Gegenstand muss datiert, zugeordnet und eingeschätzt werden. Ist das Stück authentisch? Welcher Werkstatt entstammt es? Wie ist der Erhaltungszustand?
Berdings Stil unterscheidet sich von manch anderem TV-Experten. Keine theatralischen Gesten, keine künstliche Aufregung. Sie erklärt ruhig und präzise, ordnet jedes Objekt in seinen historischen Kontext ein.
Das Geheimnis der Meister
Im Juli 2024 erweiterte Berding ihr Tätigkeitsfeld. Für 3sat moderierte sie die fünfteilige Reihe „Das Geheimnis der Meister“. Die Serie führte zu Werken von Caspar David Friedrich, Lucas Cranach und Angelika Kauffmann.
Anders als bei „Bares für Rares“ ging es hier nicht um Bewertungen, sondern um kunsthistorische Analyse. Berding konnte zeigen, dass sie mehr ist als eine Expertin für angewandte Kunst. Die Sendung erlaubte ihr, tiefer in die Bildwelten der alten Meister einzutauchen.
Jugendstil und Art Déco im Fokus
Warum gerade diese beiden Epochen? Der Jugendstil entstand um 1900 als Gegenbewegung zum Historismus. Organische Formen, geschwungene Linien, florale Ornamente prägten das Design. Künstler wollten Kunst und Alltag verbinden.
Art Déco folgte in den 1920ern mit einem anderen Ansatz. Geometrische Formen, klare Linien, luxuriöse Materialien. Die Ära zwischen den Weltkriegen brachte einen modernen Glamour hervor.
Beide Stile produzierten unzählige Kunstobjekte für den täglichen Gebrauch. Genau diese Gegenstände tauchen heute bei „Bares für Rares“ auf. Berdings Dissertation macht sie zur idealen Bewerterin.
Leben in Köln
Berding lebt mit ihrer Familie in ihrer Geburtsstadt. Über ihr Privatleben spricht sie selten. Auf Instagram (@dr.biancaberding) folgen ihr etwa 11.000 Menschen. Die Posts zeigen meist Kunstobjekte und Einblicke in ihre Arbeit, weniger private Momente.
Diese Zurückhaltung entspricht ihrem TV-Auftritt. Berding inszeniert sich nicht selbst, sondern lässt die Objekte sprechen. Die Geschichten hinter den Vasen, Uhren und Gemälden stehen im Mittelpunkt.
Fernsehen als Vermittlung
Was Berding auszeichnet, ist die Verbindung von Wissenschaft und Zugänglichkeit. Sie vereinfacht nicht zu stark, verwässert aber auch nicht ihre Aussagen. Ein schwieriger Balanceakt.
Bei einem Jugendstil-Glas erklärt sie die Technik der Überfangglas-Ätzung. Bei einem Art-Déco-Schmuckstück beschreibt sie den Einfluss afrikanischer Kunst auf die Pariser Designer. Komplexe Zusammenhänge, verständlich vermittelt.
Fünf Jahre „Bares für Rares“
Seit ihrem Einstieg Ende 2019 hat Berding Hunderte von Objekten bewertet. Die Bandbreite reicht von einfachen Gebrauchsgegenständen bis zu seltenen Sammlerstücken. Jede Bewertung folgt dem gleichen Prinzip: Sachlichkeit vor Sensation.
Manche Verkäufer kommen mit überhöhten Erwartungen. Berding korrigiert dann freundlich, aber bestimmt. Andere unterschätzen den Wert ihrer Erbstücke. In beiden Fällen bleibt sie bei den Fakten.
Die Sendung hat ihr eine Bekanntheit verschafft, die über Fachkreise hinausgeht. Trotzdem ist sie keine Medienpersönlichkeit im klassischen Sinn geworden. Die Kunsthistorikerin steht im Vordergrund, nicht die TV-Expertin.
Zwischen Wissenschaft und Unterhaltung
Berding verkörpert einen Typus, der im deutschen Fernsehen selten geworden ist: die unaufgeregte Fachfrau. Keine vorgetäuschte Begeisterung, keine aufgesetzten Emotionen. Nur fundiertes Wissen und die Fähigkeit, es zu teilen.
Ihre Karriere zeigt, dass akademische Bildung und Fernsehen sich nicht ausschließen müssen. Die Dissertation von 2012 bildet bis heute das Fundament ihrer TV-Arbeit. Und die Erfahrung bei den Kölner Kunstmessen hat ihr den Umgang mit echten Objekten und echten Menschen gelehrt.
Ob Berding weitere TV-Projekte plant, ist offen. Mit „Bares für Rares“ und „Das Geheimnis der Meister“ hat sie sich bereits zwei sehr unterschiedliche Formate erschlossen. Die promovierte Kunsthistorikerin aus Köln hat bewiesen, dass Fachwissen im Fernsehen einen Platz hat, wenn es richtig vermittelt wird.

