An einem Novembertag 2023 heiratete Anika Bissel am Tegernsee den vielleicht bekanntesten Torhüter Deutschlands. Die Medien berichteten über das Hochzeitskleid, die Location, die Gästeliste. Was dabei unterging: die Geschichte einer 25-jährigen Handballerin, die 71 Tore in einer Saison erzielte und parallel dazu ein Standbein in der Modebranche aufbaute.
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Handball liegt in der Familie
Wer in Erlangen im Umfeld des HC Erlangen aufwächst, kommt am Handball kaum vorbei. Anika Bissel, geboren am 11. Juni 2000, hatte diese Wahl ohnehin nicht. Vater Dr. Carsten Bissel sitzt als Vorsitzender an der Spitze des Vereins, Mutter Ute arbeitet in der Verwaltung. Bruder Christopher wirft mittlerweile beim ThSV Eisenach Tore in der Bundesliga.
Bissel selbst durchlief die Jugendteams des Heimatvereins, spielte sich als Linksaußen durch die Altersklassen. Nach Stationen bei der SG H2Ku Herrenberg landete sie 2022 beim ESV 1927 Regensburg in der dritten Liga. Dort kam zusammen, was sie im Training jahrelang geübt hatte.
71Tore in 25 Spielen
2022/23Beste Saison bei Regensburg
71 Tore in 25 Partien während der Saison 2022/23 sprechen eine klare Sprache. Zahlen, die in der dritten Liga Aufmerksamkeit erregen. Zahlen, die zeigen: hier spielt jemand, der das Handwerk versteht.
Mode als zweites Standbein
Während andere Spielerinnen nach dem Training nach Hause fahren, hatte Bissel einen anderen Plan. Von 2019 bis 2021 absolvierte sie ihre Ausbildung zur Textilbetriebswirtin an der LDT Academy für Modemanagement in Nagold. Eine bewusste Entscheidung, parallel zum Sport eine berufliche Perspektive aufzubauen.
Heute arbeitet sie bei Kinga Mathe, einer Marke für bayerische Trachtenmode. Dirndl, Lederhosen, traditionelle Stoffe. Ein Geschäft, das in Bayern funktioniert, gerade in München und Umgebung. Für Bissel eine Verbindung aus persönlichem Interesse und wirtschaftlichem Verständnis.
2020 bis heute: Beziehung, Hochzeit, Mutterschaft
Manuel Neuer und Anika Bissel lernten sich 2020 kennen. Drei Jahre später, im November 2023, folgte die Hochzeit am Tegernsee. Keine pompöse Veranstaltung mit hunderten Gästen, sondern ein privates Fest im kleineren Rahmen.
Chronologie:
- 2020: Beginn der Beziehung
- 12. November 2023: Hochzeit am Tegernsee
- März 2024: Geburt des Sohnes Luca
- Mai 2025: Pause vom Handball angekündigt
Im März 2024 wurde Sohn Luca geboren. Ein Einschnitt, der Prioritäten verschiebt. Im Mai 2025 gab Bissel bekannt, dass sie eine Auszeit vom Profisport nimmt. Die Begründung: Sie wolle sich auf die Mutterschaft konzentrieren.
Der Handball bleibt trotzdem Teil ihres Lebens. Für die kommende Saison plant sie das Comeback auf dem Spielfeld. Wie genau das aussehen wird, ob in Regensburg oder anderswo, steht noch nicht fest.
Leben zwischen drei Welten
Morgens das Kind versorgen, tagsüber im Büro bei Kinga Mathe arbeiten, abends Training. Bissel jongliert zwischen Mutterrolle, Beruf und Sport. Eine Konstellation, die Planung erfordert. Während Manuel Neuer im Tor des FC Bayern steht und regelmäßig vor zehntausenden Zuschauern spielt, organisiert sie den Alltag abseits der großen Bühne.
Die familiären Wurzeln im Handball helfen dabei. Der Vater kennt die Anforderungen des Leistungssports, der Bruder spielt selbst Bundesliga. Ein Netzwerk, das versteht, was es bedeutet, mehrere Rollen gleichzeitig auszufüllen.
Was kommt nach der Rückkehr?
Die Frage ist nicht, ob Anika Bissel zurückkommt. Sie hat das Comeback bereits angekündigt. Die Frage ist, in welcher Form. 71 Tore in einer Saison zeigen ihr Potenzial. Eine einjährige Pause mit Kleinkind zeigt die Realität.
Manche Sportlerinnen kehren nach der Geburt stärker zurück, andere brauchen Zeit, um wieder an alte Leistungen anzuknüpfen. Bissel wird ihren Weg finden müssen. Die Arbeit bei Kinga Mathe läuft parallel weiter, die Familie bleibt Teil des Alltags.
Was an ihrer Geschichte bemerkenswert bleibt: Sie hat sich nie auf eine Rolle festgelegt. Weder auf die Handballerin noch auf die Ehefrau eines Profisportlers noch auf die Karriere in der Textilbranche. Anika Bissel ist all das gleichzeitig, und genau das macht ihre Position interessant. Nicht die Frau von Manuel Neuer. Nicht nur die Handballspielerin aus Erlangen. Sondern jemand, der zeigt, dass verschiedene Lebensbereiche nebeneinander existieren können, wenn man bereit ist, dafür zu arbeiten.

