Sonntag, 15, Februar, 2026

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Adalbert Plica: Ex-Mann von Gaby Dohm und Die Fallers Kameramann

Die Kamera läuft. Jahrzehntelang. Millionen sehen die Bilder, aber niemand sieht den Mann dahinter. Adalbert Plica verbrachte sein Berufsleben hinter der Kamera, formte mit seinem Handwerk das deutsche Regionalfernsehen und blieb dabei so unsichtbar wie die meisten seiner Zunft. Während seine damalige Ehefrau Gaby Dohm als Schauspielerin im Rampenlicht stand, dokumentierte er die Schwarzwaldgeschichten, die bis heute Millionen kennen.

Kriegskind aus Stettin

Am 6. November 1937 kam Adalbert Plica in Stettin zur Welt. Die Stadt an der Oder war damals Zentrum der deutschen Rüstungsindustrie, Heimat der Vulcan-Werft und strategisch wichtig für das NS-Regime. Plica erlebte seine ersten Lebensjahre im Krieg. Als die Rote Armee 1945 näher rückte, flohen Hunderttausende aus der Region. Stettin wurde polnisch, hieß fortan Szczecin.

Was aus dem Kind wurde, das diese Umbrüche erlebte, lässt sich nur aus den Spuren rekonstruieren, die seine spätere Arbeit hinterließ. Irgendwann in den 1950er oder 1960er Jahren muss Plica den Weg zum Film gefunden haben. Die genauen Stationen seiner Ausbildung bleiben unklar.

Hinter der Kamera beim SWR

Plicas Name taucht in den Credits regionaler Fernsehproduktionen auf. Der Südwestrundfunk wurde zu seiner beruflichen Heimat. Hier arbeitete er als Kameramann, später als Regisseur. Die Produktionen trugen Namen wie Fascht e Familie oder Die Anrheiner, Serien, die regionale Geschichten erzählten und ein Publikum bedienten, das seine Lebenswelt im Fernsehen wiedererkennen wollte.

Produktionen mit Beteiligung von Plica

  • Die Fallers: SWR-Serie über eine Schwarzwaldfamilie, seit 1994 auf Sendung
  • Fascht e Familie: Familienserie aus dem Jahr 1994
  • Die Anrheiner: Regionale Produktion von 1998

Die bekannteste dieser Produktionen war und ist Die Fallers. Die Serie über den Bauernhof der Familie Faller im Schwarzwald läuft seit 1994. Mehr als 1.000 Folgen wurden produziert. Plica gehörte zu denen, die diese Serie visuell prägten. Seine Kameraführung fing die Landschaften ein, die Gesichter der Schauspieler, den Rhythmus des ländlichen Lebens.

Ehe mit Gaby Dohm

1943 in München geboren, wuchs Gaby Dohm in einer Schauspielerfamilie auf. Ihr Vater Will Dohm spielte in über 200 Filmen, ihre Mutter Heli Finkenzeller war ebenfalls Schauspielerin. Dohm selbst wurde zu einer der bekanntesten deutschen Fernsehschauspielerinnen ihrer Generation. Ihre Ehe mit Adalbert Plica brachte 1978 einen Sohn zur Welt: Julian.

Adalbert Plica

Kameramann, Regisseur

Gaby Dohm

Schauspielerin

Julian Plica

Regisseur, geboren 1978

Julian Plica schlug den Weg zum Film ein wie seine Eltern. Er inszenierte Folgen von Verbotene Liebe und Gute Zeiten, schlechte Zeiten, den großen deutschen Dailysoaps. Drei Generationen, alle beim Fernsehen, jede auf ihre Weise.

Die Ehe zwischen Adalbert Plica und Gaby Dohm wurde irgendwann geschieden. Details dazu gibt es kaum. Plica zog sich aus der Öffentlichkeit zurück, soweit man bei jemandem von Rückzug sprechen kann, der nie im Licht stand.

Unsichtbare Arbeit

Kameramänner haben es so an sich, dass ihre beste Arbeit nicht auffällt. Wenn die Kamera richtig steht, wenn das Licht stimmt, wenn die Einstellung funktioniert, denkt niemand über die Technik nach. Die Geschichte zählt, die Schauspieler, die Dialoge. Die Kamera soll dienen, nicht dominieren.

Plica beherrschte dieses Handwerk offenbar gut genug, um über Jahrzehnte beschäftigt zu bleiben. In einer Branche, in der Produktionen kommen und gehen, in der Teams sich ständig neu zusammensetzen, in der der nächste Auftrag nie sicher ist, bedeutet Kontinuität etwas.

Zeitstrahl

1937: Geburt in Stettin

1945: Kriegsende, Stettin wird polnisch

1960er-1980er: Einstieg ins Fernsehgeschäft

1978: Geburt seines Sohnes Julian

1994: Start von Die Fallers

Was von einem bleibt

In den Archiven des SWR liegen die Bänder mit Plicas Arbeit. Die Fallers laufen immer noch. Irgendwo lebt vermutlich auch Adalbert Plica noch, inzwischen 88 Jahre alt. Ob er die Serie noch sieht, die er mitprägte? Ob ihn interessiert, was aus dem deutschen Fernsehen geworden ist?

Die Fragen bleiben unbeantwortet. Plica gab keine Interviews, schrieb keine Memoiren, pflegt kein öffentliches Profil. Er ist einer von Tausenden, die das deutsche Fernsehen machten, ohne je ein Star zu werden. Sein Sohn führt die Familientradition fort, arbeitet ebenfalls fürs Fernsehen, ebenfalls hinter den Kulissen der großen Namen.

Das Fernsehen, das Adalbert Plica kannte, gibt es so nicht mehr. Die großen Regionalsender verlieren Zuschauer, Streamingdienste übernehmen, die Produktionsweisen ändern sich grundlegend. Die Fallers aber laufen weiter, ein Monument einer Zeit, als Fernsehen noch anders funktionierte. Und in jeder Einstellung, die in den 1990ern entstand, steckt auch ein Stück Arbeit von jemandem, der den Blick durch die Kamera zum Beruf machte. Adalbert Plica wird nicht in Geschichtsbüchern stehen. Seine Bilder aber werden bleiben.

Kathrin Biermann
Kathrin Biermannhttps://derteilnehmer.de/
Kathrin Biermann ist leitende Redakteurin und Mitgründerin von DerTeilnehmer. Seit mehr als acht Jahren berichtet sie über Themen aus Gesellschaft, Kultur, Technologie und internationaler Politik. Ihre journalistische Laufbahn führte sie durch verschiedene Redaktionen, bevor sie gemeinsam mit Ursula Waechter DerTeilnehmer gründete — mit dem Ziel, Nachrichten zu liefern, die informieren statt verwirren. Kathrin ist bekannt für ihre gründliche Quellenarbeit und ihren klaren, schnörkellosen Schreibstil. Abseits der Redaktion verbringt sie ihre Zeit am liebsten mit Reisen und der Suche nach Geschichten, die noch niemand erzählt hat.

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