November 2022. Die Fußball-WM läuft in Katar, doch ein vertrautes Gesicht fehlt plötzlich auf deutschen Bildschirmen. Alexander Bommes, seit Jahren das Aushängeschild der ARD-Sportberichterstattung, ist verschwunden. Keine Erklärung, keine Details. Nur Stille. In dieser Informationslücke beginnen die Gerüchte zu wuchern. Darunter eines, das sich besonders hartnäckig hält: Alexander Bommes Krebserkrankung.
Doch was ist dran an dieser Behauptung? Eine Spurensuche.
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Vier Monate Funkstille
Der 47-Jährige verschwindet Ende 2022 komplett aus der Öffentlichkeit. Weder bei der WM in Katar noch bei der Handball-Weltmeisterschaft im Januar 2023 steht er vor der Kamera. Jessy Wellmer und Esther Sedlaczek übernehmen bei der Sportschau. Stephanie Müller-Spirra springt beim Handball ein.
Die ARD gibt eine knappe Stellungnahme ab: Bommes leide unter einer „Reihe von Infekten“ und müsse pausieren. Der Moderator selbst formuliert es im Januar 2023 so: „Nach einem Jahr, in dem ich wie viele Menschen einige gesundheitliche Einschränkungen in Kauf nehmen musste, will ich die weitere Genesung abschließen.“
Mehr erfährt die Öffentlichkeit nicht.
Wenn Schweigen zum Problem wird
Was dann passiert, kennen wir aus der digitalen Gegenwart. Fehlende Informationen werden durch Vermutungen ersetzt. Im Netz schießen die Theorien ins Kraut.
Was im Internet kursiert:
- Spekulationen über Krebs
- Behauptungen über Long COVID
- Impfgegner konstruieren Zusammenhänge zu Corona-Impfungen
- Dubiose Blogs erfinden komplette Diagnosen
Die Berliner Zeitung schreibt im März 2023 von „fiesen Spekulationen“ und „bösen Gerüchten“. Besonders perfide: Impfkritiker nutzen Bommes‘ Abwesenheit für ihre Agenda. Sie behaupten ohne jeden Beleg, der Moderator leide unter Impfschäden.
Währenddessen laufen im Fernsehen bereits aufgezeichnete Folgen von „Gefragt – Gejagt“. Bommes ist zu sehen, aber eben nur in der Konserve. Die Diskrepanz befeuert die Gerüchteküche weiter.
Der 18. März 2023
An diesem Samstagabend kehrt Alexander Bommes zur Sportschau zurück. Kein großes Aufheben, keine emotionale Ansprache. Er begrüßt die Zuschauer mit den Worten: „Guten Abend, herzlich willkommen zum Fußball, zum sicherlich spannenden und intensiven Fußball heute.“
Business as usual.
Twitter-Nutzer bemerken, dass er schmaler geworden ist. Ansonsten wirkt der frühere Handballprofi wieder stabil. Im Juni 2023 folgen neue Aufzeichnungen von „Gefragt – Gejagt“. Die Abendzeitung München interviewt ihn zu seinem Comeback.
Auf die Frage, warum er so wenig Privates preisgebe, antwortet Bommes: „Es laufen ja auch knapp 140 Sendungen und ähnlich viele Wiederholungen pro Jahr. Das finde ich ehrlich gesagt öffentlich genug.“ Über seine Krankheit verliert er kein weiteres Wort.
Was seriöse Medien berichten
Hier liegt der entscheidende Punkt. Keine einzige renommierte deutsche Redaktion hat jemals von einer Krebsdiagnose berichtet. Weder ARD noch NDR. Weder t-online noch Sport1. Weder die Abendzeitung München noch der Berliner Kurier.
Alle Quellen, die eine Alexander Bommes Krebserkrankung behaupten, stammen aus dem gleichen Sumpf:
- AI-generierte Clickbait-Seiten ohne Impressum
- Spam-Blogs, die für Werbeeinnahmen auf Sensationen setzen
- Social-Media-Accounts, die Gerüchte als Fakten verkaufen
Die Methode ist immer gleich. Ein reißerischer Titel, vage Formulierungen, keine überprüfbaren Quellen. Journalismus sieht anders aus.
Bommes heute
Seit seiner Rückkehr moderiert der 47-Jährige wieder beide Formate. Er führte durch die Fußball-EM 2024. Er steht Woche für Woche bei der Sportschau vor der Kamera. Von gesundheitlichen Problemen ist nichts mehr zu bemerken.
In Interviews zeigt er sich dankbar für die Unterstützung, ohne ins Detail zu gehen. Seine Privatsphäre bleibt geschützt. Das ist sein gutes Recht.
Bommes trennte sich 2016 nach sieben Jahren von Moderatorin Julia Westlake. Die beiden haben zwei gemeinsame Söhne. Seitdem hält er sein Privatleben konsequent aus der Öffentlichkeit. Auch zu einer neuen Partnerin äußert er sich nicht.
Die Mechanik der Desinformation
Der Fall zeigt exemplarisch, wie moderne Desinformation funktioniert. Ein bekannter Name, eine echte Auszeit, ein Informationsvakuum. Daraus konstruieren unseriöse Akteure eine Geschichte, die sich viral verbreitet.
Die angebliche Krebserkrankung wurde nie diagnostiziert, nie bestätigt, nie von Bommes selbst erwähnt. Dennoch taucht der Begriff in Suchmaschinen auf, weil genug Seiten ihn wiederholen. Quantität schafft scheinbare Glaubwürdigkeit.
Google zeigt für „Alexander Bommes Krebserkrankung“ tausende Ergebnisse. Fast alle führen zu minderwertigen Websites. Die seriösen Quellen berichten über seine Rückkehr, nicht über seine angebliche Diagnose.
Was wir wissen, was wir nicht wissen
Fakten:
- Bommes fiel von November 2022 bis März 2023 aus
- Die ARD sprach von „einer Reihe von Infekten“
- Er kehrte im März 2023 zur Sportschau zurück
- Seit Juni 2023 moderiert er wieder „Gefragt – Gejagt“
- Er arbeitet bis heute ohne erneute Unterbrechung
Keine Fakten:
- Eine Krebsdiagnose
- Impfschäden
- Long COVID
- Irgendeine andere spezifische Erkrankung
Die Lücke zwischen diesen Listen wird nie geschlossen werden. Bommes hat das Recht, sie nicht zu schließen.
Warum die Geschichte trotzdem wichtig ist
Dieser Text soll keine Sensation entzaubern. Er soll zeigen, wie schnell aus einem Gerücht eine vermeintliche Wahrheit wird. Wie wenig es braucht, damit Menschen etwas glauben, nur weil es oft genug wiederholt wird.
Alexander Bommes war krank. Das stimmt. Alexander Bommes ist wieder gesund. Auch das stimmt. Alles dazwischen bleibt seine Sache.
Die angebliche Alexander Bommes Krebserkrankung existiert nur in den Köpfen derer, die sie erfunden haben, und auf den Websites derer, die damit Geld verdienen wollen. In der Realität gibt es sie nicht. Hat es nie gegeben.
Bommes selbst hat das letzte Wort längst gesprochen: Er ist zurück. Das reicht.

