Berlin. Eine Google-Suche, Tausende Klicks, null Wahrheitsgehalt. Die Behauptung, Olaf Scholz habe einen Schlaganfall erlitten, verbreitet sich seit Monaten im Netz. Doch kein einziges seriöses Medium hat diese Meldung je veröffentlicht. Zeit für eine Einordnung.
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Was tatsächlich passiert ist
September 2023. Olaf Scholz taucht mit schwarzer Augenklappe bei öffentlichen Terminen auf. Die Erklärung kommt prompt: Joggingunfall, Augenverletzung, harmlos. Bloomberg, BBC, Handelsblatt und Dutzende weitere Medien berichten über den Vorfall. Nach wenigen Wochen ist die Sache erledigt.
Mehr gibt es nicht. Keine Krankenhausaufenthalte, keine Notfallmeldungen, keine Stellungnahmen zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen. Die Augenklappe verschwand, Scholz machte weiter wie gewohnt.
Der politische Absturz
Dezember 2024 markierte das politische Ende. Der Bundestag entzog Scholz das Vertrauen, die Ampelkoalition zerbrach. Am 23. Februar 2025 folgte die Bundestagswahl. Friedrich Merz siegte deutlich, die SPD fuhr ein historisch schlechtes Ergebnis ein.
Im Mai 2025 übernahm Merz das Kanzleramt. Scholz wurde zum ehemaligen Regierungschef, politisch abgewickelt nach nur einer Legislaturperiode. Seither hält er sich bedeckt, tritt gelegentlich bei Parteiveranstaltungen auf, bleibt aber weitgehend unsichtbar.
Wie die Schlaganfall-Lüge entstand
Irgendwann zwischen der Wahlniederlage und dem Sommer 2025 tauchten die ersten Behauptungen auf. Websites wie Technokern.de, Starsbio.de und ähnliche Portale verbreiteten Geschichten über einen angeblichen Schlaganfall. Diese Seiten funktionieren nach einem simplen Muster: Namen prominenter Personen, erfundene Gesundheitsprobleme, maximale Klickzahlen.
Die Methode ist bekannt. Automatisch generierte Texte, keine Quellenangaben, keine journalistische Sorgfalt. Hauptsache Traffic. Hauptsache Werbeeinnahmen.
Was fehlt: Jeder Beleg
Kein Regierungssprecher hat je eine schwere Erkrankung bestätigt. Keine Nachrichtenagentur hat berichtet. Weder dpa noch Reuters, weder AFP noch die großen deutschen Redaktionen haben die Geschichte aufgegriffen. Der Grund ist simpel: Es gibt keine Geschichte.
Ein Schlaganfall eines amtierenden oder ehemaligen Bundeskanzlers wäre eine Eilmeldung. Fernsehsender würden Sondersendungen fahren, Zeitungen Extraausgaben drucken. Nichts davon ist passiert.
Seriöse Quellen, die nie über einen Schlaganfall berichteten:
- Tagesschau und Tagesthemen
- Süddeutsche Zeitung, FAZ, Handelsblatt
- Spiegel, Zeit, Stern
- Reuters, dpa, AFP
Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Null Treffer bei etablierten Medien, Hunderte Treffer bei dubiosen Blogs.
Anatomie einer Desinformation
Die Mechanik hinter solchen Falschmeldungen ist simpel. Jemand erfindet eine Geschichte, lädt sie ins Netz, hofft auf Klicks. Algorithmen belohnen sensationelle Überschriften. Nutzer teilen, ohne zu prüfen. Binnen Stunden erreicht die Lüge Tausende.
Der Fall Scholz zeigt das Problem deutlich. Eine harmlose Augenverletzung vor über zwei Jahren wird zur Grundlage wilder Spekulationen. Dazu kommt der politische Absturz, das Verschwinden aus der Öffentlichkeit. Perfekte Bedingungen für Gerüchte.
Suchmaschinen listen die Fake-Seiten prominent, weil viele Menschen danach suchen. Ein Teufelskreis: Die Suche erzeugt mehr fragwürdigen Content, der wiederum mehr Suchen auslöst.
Wo Scholz heute steht
Der ehemalige Kanzler lebt zurückgezogen. Gelegentliche Auftritte bei der SPD, ab und zu ein Interview. Seine Gesundheit? Unauffällig. Keine öffentlichen Termine wurden wegen Krankheit abgesagt, keine Behandlungen bekannt geworden.
Die SPD nutzt ihn weiterhin als Berater, als Stimme der Erfahrung. Mehr aber auch nicht. Die Ära Scholz ist vorbei, politisch wie medial.
Was bleibt
Die Google-Suche „Olaf Scholz Schlaganfall“ liefert ein Lehrstück über digitale Desinformation. Erfundene Geschichten ranken höher als Fakten. Spam-Blogs überschwemmen die Suchergebnisse. Die Wahrheit bleibt simpel: Es gab keinen Schlaganfall.
Wer seriöse Informationen sucht, muss heute genauer hinschauen. Quellencheck wird zur Pflicht. Der Name der Website, das Impressum, die Zitierweise verraten meist schnell, ob ein Text seriös ist oder nicht.
Der Fall Scholz wird nicht der letzte bleiben. Solange Klicks Geld bringen, werden solche Geschichten im Netz kursieren. Die einzige Verteidigung dagegen: Skepsis, Sorgfalt und der Blick auf etablierte Medien, die noch nach journalistischen Standards arbeiten.

