Am 27. August 2015 starb Sabine Pistorius im Alter von 49 Jahren. Die Traueranzeige erschien wenige Tage später in der Neuen Osnabrücker Zeitung. Für Boris Pistorius, damals Innenminister von Niedersachsen und heute Verteidigungsminister der Bundesrepublik Deutschland, bedeutete dieser Tag das Ende einer gemeinsamen Lebensgeschichte.
Table of Contents
Die Frau hinter dem Politiker
Sabine Pistorius, geborene Heß, hielt sich Zeit ihres Lebens aus der Öffentlichkeit heraus. Während ihr Mann politische Karriere machte, blieb sie mit den beiden gemeinsamen Töchtern im Hintergrund. Keine öffentlichen Auftritte, keine Interviews, keine Fotos bei politischen Veranstaltungen.
Diese bewusste Entscheidung für Privatsphäre macht es heute schwer, ein vollständiges Bild von ihr zu zeichnen. Was bekannt ist: Sie wurde Anfang der 1960er Jahre geboren, heiratete Boris Pistorius und lebte mit ihrer Familie in Osnabrück.
Der Krebs kam schleichend
Sabine Pistorius erkrankte an Krebs. Wie lange sie kämpfte, welche Behandlungen sie durchlief, welche Hoffnungen und Rückschläge die Familie erlebte: All das blieb privat. Selbst als Innenminister eines Bundeslandes sprach Boris Pistorius nicht öffentlich über die Krankheit seiner Frau.
Erst nach ihrem Tod fand er vereinzelt Worte dafür. Als er die Schirmherrschaft der Krebsberatungsstelle Osnabrück übernahm, sagte er: „Die Schirmherrschaft habe ich auch gern im Andenken an meine verstorbene Frau Sabine übernommen, die leider ihren Kampf gegen den Krebs verloren hat. Mit ihr habe ich erlebt, dass auch nach den dunkelsten Stunden das Licht zurückkehrt.“
Was nach der Traueranzeige geschah
Nach Sabines Tod führte Boris Pistorius sein politisches Leben weiter. Er blieb Innenminister von Niedersachsen bis 2023. In dieser Zeit fand er auch persönlich wieder Halt.
Die wichtigsten Stationen:
- 2006 bis 2013: Oberbürgermeister von Osnabrück
- 2013 bis 2023: Innenminister von Niedersachsen
- 2015: Tod von Sabine Pistorius
- 2016 bis 2022: Beziehung mit Doris Schröder-Köpf
- Januar 2023: Ernennung zum Bundesverteidigungsminister
- Dezember 2023: Hochzeit mit Julia Schwanholz
Die Beziehung zu Doris Schröder-Köpf, Protokollchefin des Landes Niedersachsen und Ex-Frau von Altkanzler Gerhard Schröder, begann etwa ein Jahr nach Sabines Tod. Sie dauerte sechs Jahre.
Seine heutige Frau Julia Schwanholz heiratete er fast genau ein Jahr nach seiner Ernennung zum Verteidigungsminister. Die Hochzeit fand im kleinen Kreis statt.
Die Schirmherrschaft als Vermächtnis
Die Übernahme der Schirmherrschaft für die Krebsberatungsstelle Osnabrück war mehr als eine symbolische Geste. Boris Pistorius wollte seine Erfahrungen nutzen, um anderen Betroffenen zu helfen. Die Beratungsstelle unterstützt Krebspatienten und ihre Angehörigen in allen Phasen der Erkrankung.
Wer selbst miterlebt hat, wie Krebs eine Familie verändert, wie die Krankheit den Alltag dominiert und wie hilflos man sich manchmal fühlt, versteht den Wert solcher Einrichtungen. Boris Pistorius gehört zu diesen Menschen.
Die Töchter und der Schutz der Privatsphäre
Sabine und Boris Pistorius hatten zwei Töchter. Ihre Namen, ihr Alter, ihr heutiges Leben: darüber gibt es keine öffentlichen Informationen. Boris Pistorius hat stets großen Wert darauf gelegt, seine Kinder aus der Öffentlichkeit herauszuhalten.
Der Verlust der Mutter in jungen Jahren prägt. Die beiden Töchter mussten nicht nur mit ihrer Trauer umgehen, sondern auch damit, dass ihr Vater eine zunehmend öffentliche Person wurde. Der Schutz ihrer Privatsphäre scheint für Boris Pistorius nicht verhandelbar zu sein.
Osnabrück als gemeinsamer Ort
Osnabrück war der Lebensmittelpunkt der Familie Pistorius. Hier war Boris von 2006 bis 2013 Oberbürgermeister. Hier lebte die Familie. Hier starb Sabine. Und hier erschien auch die Traueranzeige in der lokalen Zeitung, der Neuen Osnabrücker Zeitung.
Die Stadt spielt bis heute eine Rolle im Leben von Boris Pistorius. Seine Wurzeln liegen hier, seine politische Karriere begann hier. Die Erinnerung an Sabine ist mit diesem Ort verbunden.
Ein Minister und seine Vergangenheit
Boris Pistorius gilt als bodenständiger Politiker. Wer seine Biografie kennt, versteht vielleicht besser, woher diese Erdung kommt. Der Verlust seiner ersten Frau, die Jahre als alleinerziehender Vater zweier Töchter (zumindest zeitweise), die Erfahrung von Krankheit und Trauer: Das sind Dinge, die einen Menschen formen.
Heute steht er als Verteidigungsminister in der ersten Reihe der deutschen Politik. Die Sabine Pistorius Traueranzeige von 2015 erinnert daran, dass hinter jedem Politiker auch ein Mensch mit seiner eigenen Geschichte steht. Einer Geschichte, die nicht immer nur aus Erfolgen und Karriereschritten besteht, sondern auch aus Verlusten und der Kraft, weiterzumachen.

