Sonntag, 15, Februar, 2026

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Klimageld Auszahlung 300 Euro: Aktueller Stand Januar 2026

Seit dem 1. Januar 2026 zahlen Deutsche 65 Euro pro Tonne CO2. Zehn Euro mehr als noch im Vorjahr. Heizen wird teurer, Tanken kostet mehr. Doch die versprochene Klimageld Auszahlung von 300 Euro? Fehlanzeige. Dabei läuft das Portal zur Registrierung bereits seit November 2024.

Das Versprechen der Ampelkoalition

Im Koalitionsvertrag von 2021 stand es schwarz auf weiß: Die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung sollten als Klimageld an die Bürger zurückfließen. Direktzahlung, pro Kopf, ohne komplizierte Antragsverfahren. Das Umweltinstitut München bezifferte die mögliche Auszahlung für 2025 auf rund 300 Euro pro Person. Greenpeace rechnete mit 317 Euro.

Die SPD, Grüne und FDP hatten sich auf diesen Mechanismus verständigt. Wer mehr CO2 verursacht, zahlt mehr. Wer weniger verbraucht, profitiert von der Rückzahlung. So sollte der soziale Ausgleich funktionieren.

Das Finanzministerium bereitete die Umsetzung vor. Am 27. November 2024 schaltete das Bundeszentralamt für Steuern das Registrierungsportal frei. Bürger konnten ihre IBAN hinterlegen, über ELSTER oder das BOP-Portal. Die technische Infrastruktur stand.

Der Bruch und die Bundestagswahl

Am 6. November 2024 zerbrach die Ampelkoalition. Bundeskanzler Olaf Scholz entließ Finanzminister Christian Lindner. Neuwahlen wurden für den 23. Februar 2025 angesetzt. Das Klimageld verschwand im Wahlkampf von der Agenda.

Die Union unter Friedrich Merz gewann mit 28,5 Prozent der Stimmen. Die AfD landete bei 20,8 Prozent, die SPD bei 16,4 Prozent. Grüne und FDP verloren deutlich. Am 6. Mai 2025 wählte der Bundestag Merz im zweiten Wahlgang zum Bundeskanzler. Eine große Koalition aus CDU/CSU und SPD übernahm die Regierung.

Was die neue Regierung stattdessen plant

Der Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD erwähnt das Klimageld mit keinem Wort. Die Merz-Regierung setzt auf andere Instrumente:

  • Senkung der Strompreise durch staatliche Zuschüsse
  • Abschaffung der Gasspeicherumlage
  • Subventionen für Netzentgelte

Die Grünen und die Linke im Bundestag fordern weiterhin die Einführung. Ihre Rechnung: Die CO2-Abgabe steigt, die Bürger zahlen mehr, aber bekommen nichts zurück. Besonders Haushalte mit niedrigem Einkommen und Pendler trifft das hart.

Das österreichische Gegenmodell

Österreich zahlt seit 2022 einen Klimabonus. Je nach Wohnort erhalten Bürger zwischen 145 und 290 Euro jährlich. Die neue Regierung aus FPÖ und ÖVP plant allerdings, diesen Bonus 2025 zu streichen. Auch dort dreht sich der politische Wind.

Die technische Lösung wartet auf grünes Licht

Das Bundeszentralamt für Steuern hat alles vorbereitet. Das Portal läuft. Die Prozesse sind getestet. 83 Millionen Menschen könnten ihre Auszahlung erhalten. Doch ohne Bundestagsbeschluss bleibt das System inaktiv.

Verbraucherschützer rechnen vor: Die Mehrkosten durch die höhere CO2-Bepreisung übersteigen die angekündigten Entlastungen bei Strom und Netzentgelten. Für einen durchschnittlichen Haushalt bedeutet das unterm Strich mehr Ausgaben.

Wer zahlt die Rechnung?

Die CO2-Abgabe fließt in den Bundeshaushalt. Rund 18 Milliarden Euro kamen 2024 zusammen. Bei einer Pro-Kopf-Rückzahlung hätte jeder Bürger etwa 217 Euro erhalten. Mit den gestiegenen Preisen 2025 und 2026 wären es mehr geworden.

Umweltverbände warnen: Ohne spürbare Entlastung sinkt die Akzeptanz für Klimaschutzmaßnahmen. Gerade Geringverdiener spüren die steigenden Energiekosten direkt im Geldbeutel.

Die Bundesregierung argumentiert mit den angespannten Staatsfinanzen. Die gewählten Maßnahmen würden gezielter wirken als eine pauschale Auszahlung.

Ein Versprechen auf Eis

Die Klimageld Auszahlung von 300 Euro bleibt vorerst Theorie. Die Infrastruktur steht bereit, die politische Mehrheit fehlt. Während andere europäische Länder direkte Kompensationen auszahlen oder zumindest auszahlten, gehen deutsche Bürger leer aus. Die nächste Bundestagswahl entscheidet, ob aus dem Versprechen von 2021 jemals Realität wird. Bis dahin zahlen Millionen Menschen höhere CO2-Abgaben ohne den zugesagten Ausgleich.

Kathrin Biermann
Kathrin Biermannhttps://derteilnehmer.de/
Kathrin Biermann ist leitende Redakteurin und Mitgründerin von DerTeilnehmer. Seit mehr als acht Jahren berichtet sie über Themen aus Gesellschaft, Kultur, Technologie und internationaler Politik. Ihre journalistische Laufbahn führte sie durch verschiedene Redaktionen, bevor sie gemeinsam mit Ursula Waechter DerTeilnehmer gründete — mit dem Ziel, Nachrichten zu liefern, die informieren statt verwirren. Kathrin ist bekannt für ihre gründliche Quellenarbeit und ihren klaren, schnörkellosen Schreibstil. Abseits der Redaktion verbringt sie ihre Zeit am liebsten mit Reisen und der Suche nach Geschichten, die noch niemand erzählt hat.

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